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Plato E. Papastamos (* 1959 in Georganades) ist ein griechischer Maler, der sich in seinem Oeuvre mit der Natur auseinandersetzt. Vor allem die Erde mit ihren vielen verschiedenen Strukturen (sandig, steinig, krümelig, rau) inspiriert ihn hierbei zu immer neuen Arbeiten.

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Plato E. Papastamos (* 1959 in Georganades) ist ein griechischer Maler, der sich in seinem Oeuvre mit der Natur auseinandersetzt. Vor allem die Erde mit ihren vielen verschiedenen Strukturen (sandig, steinig, krümelig, rau) inspiriert ihn hierbei zu immer neuen Arbeiten.

Biografie
1959 in Georganades, Griechenland geboren
seit 1986 Studium an der Kunstakademie Münster
1989 - 1994 Informelle Richtung bei M. Gutmann
1999 Gründer der „HEFAISTOS“ - Gruppe

GEFESSELT UND DURCHSTOSSEN - Zu den Arbeiten von Plato E. Papastamos (von Michael M. Marks)

Wenn der Betrachter auf ein Kunstwerk trifft, kann es zu verschiedenen Reaktionen kommen. Die extremsten sind Begeisterung oder Ablehnung. Diese zwei völlig verschiedenen Tendenzen stehen sich konträr gegenüber und genau zwischen ihnen liegt die Gleichgültigkeit.

Als ich diesen Katalogbeitrag zusagte, machte ich das ohne große Überlegungen, denn mir selber ist beim Betrachten der Arbeiten des Künstlers Plato E. Papastamos leibhaftig eine solche angesprochene Extremposition widerfahren: Ich war begeistert!

Wenn einem eine eigenständige Haltung in der Kunst begegnet, möchte man diese sofort in eine Schublade verstauen, einen Vergleich vornehmen um den Künstler mit seinen offerierten Ergebnissen in besagter Schublade direkt wieder verschwinden zu lassen. Herausragend im eigentlichen Sinne des Wortes sind die Künstler, mit denen das nicht gelingt. Plato E. Papastamos konnte ich nicht wegordnen und noch jetzt stehe ich vor einem seiner Bilder, staune, bin gefesselt.

Von diesem Phänomen soll hier die Rede sein.

Der erste Blick auf die Bilder: Sonnengelb bis Zitronengelb - ein helles, wie dunkles Rotbraun - Grün, eher schlammgrün.

Die Farbe eines Bildes löst die erste Reaktion aus, denn sie ist der ursprünglichste aller Reizmomente. Selbst aus der Entfernung entstehen so die ersten Eindrücke, lange bevor man sich der Form und Inhaltlichkeit eines Kunstwerkes gewahr wird.

Die Farbe spielt eine außergewöhnlich wichtige Position im Œvre von Plato E. Papastamos: Einerseits ist sie tief und schwer, dann wiederum flügelleicht. Robert Hughes, der große amerikanische Kunstkritiker spricht dieses Phänomen folgendermaßen an: […] “Farbe, die von der Oberfläche aufgesaugt wurde und um das Licht filtert. Die besten Gemälde […] besitzen eine rhapsodische Leichtigkeit; etwas fast wollüstiges in ihrer rückhaltlosen Hingabe an das Gefühl.“ (Robert Hughes)

Das Grün trägt die Sattheit von Moos, das gedeckte Gelb die Farbenpracht herbstlicher Kastanienblätter, das Rotbraun haftete gestern noch an unseren Schuhen beim durchwaten der Tongrube. Satt sind die Farben, manchmal zurückhaltend wie Töne.

Papastamos wirkt mit seinem Farbkanon direkt auf die Sensibilität des Betrachters ein. Besonders in den hellen Farben der Bilder entsteht ein strahlendes Licht, das leuchtet und reflektiert. Delaunay bemerkt: „Das Licht erreicht uns über unsere Empfindung ohne die optische Empfindung kein Licht, keine Bewegung. Das Licht in der Natur erschafft die Bewegung der Farben. Die Bewegung ist gegeben durch die Beziehung der ungleichen Maße, der Farbkontraste untereinander. So erzeugt sie Realität“

Die bewusst gewählte Farbpalette des Malers besteht aus reinen Erd- und Natur- Tönen. Es ist eine tiefe Erdverbundenheit, die Papastamos zu seiner Arbeit treibt. Die Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer sind in seinem Werk durch die Farbauswahl ganz existentiell und essentiell symbolisiert. Es interessiert ihn nicht, was zehntausend Meter über der Erde passiert, kosmische Themen und Inhalte überlässt er anderen.

In einem der ältesten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte, den Malereien der Höhle von Lascaux begegnen uns Pferde, Krieger und Jagdszenen in rotbraun und Siena-Tönen, die ebenso ursprünglich, roh, und gleichzeitig wieder so sensibel erscheinen. Eben dieser Kontrast begegnet uns auch im Werk unseres Künstlers. Hier ist sie: Die Ursprünglichkeit der Farbe mit einer jahrtausend alten Tradition. Immer berührt er in der Farbwahl des Tones etwas im Betrachter und stößt etwas an. „Farbe und Klang sind Phänomene, durch deren gleichzeitige Entfaltung die neue Kunst entsteht. Das Unterbewusstsein, das alle Bilder speichert, das die Bedeutung des Wesens und die Formen dieser Bilder in sich aufnimmt, informiert die menschliche Natur durch seine Wahrnehmungen.“ (Lucio Fontana) Lucio Fontana Papastamos, mutig und entschlossen, von der Unsicherheit und Zaghaftigkeit eines Epigonen weit entfernt, schöpft er aus dem unendlichen Fundus des Daseins: Der Natur. Alles das was uns draußen begegnet, sei es verborgen oder offenbar existent, begegnet uns auch wieder in seiner Kunst.

Von der Flächigkeit über leichte Erhebungen bis hin zu Leinwandkratern erlebt die Farbe eine Entwicklung zur Materialität: “Wie mit einem bestimmten Material nicht jeder beliebige Geist rein und klar ausgedrückt werden kann, so lässt umgekehrt das Material den Geist, der sich in seiner Oberfläche zu entäußern sucht, einen gewissen Spielraum […]“ (Max Raphael) Dieses Phänomen nutzt Papastamos in seinem Sinne und setzt Materialität als Gestaltungselement ein.

Wie oft begegnet uns die Symbiose von erdhafter Farbigkeit und Materialität in dieser Form? Vielleicht ist sie uns noch von Emil Schumacher oder Antoni Tapies geläufig, diese setzten sie allerdings ganz anders, nämlich für ihre informellen Inhalte ein. Lasuren, aber auch körniges, farbiges Pigment gehören ebenso zum Handwerkszeug von Plato E. Papastamos. Die satten Farben werden durch die Technik manchmal wie Töne zurückgehalten; wie in der hellen Lasur, die wie ein Schleier über das Bild gelegt wurde und versucht, die Intensität und Lautstärke der Farbe wie ein Vorhang zu verdecken.

Zusammensetzen, überdecken, scheitern und neu beginnen - mit aller Kraft wirken die Bilder von Plato E. Papastamos an der Ursprünglichkeit, an der Quelle von Farbe und Malerei.

Auf- und Verdecken, ein Thema das der Kunst seit Jahrhunderten innewohnt. Künstler nutzten dieses Stilmittel in unterschiedlichsten Arten: Versteckte beispielsweise der Symbolismus seine Aussagen in Zitaten und Chiffren oder verhüllt ein Christo seine Objekte mit dem Werkmaterial Stoff, um das zu zeigen, was ohne eben diese Verhüllung gar nicht augenscheinlich geworden wäre. Das Stilmittel des Verhüllens ist nur eine von vielen Wohltaten, die Plato E. Papastamos seinen Arbeiten angedeihen lässt, um darin seine Sprache, seine Ausdrücklichkeit zu finden.

Ein weiteres Argument von seinen Bildern gefesselt zu sein: Der Formenkanon, den der Künstler für seine Leinwände und Papierarbeiten in Anspruch nimmt ohne überladen zu wirken. Von der Farbe war bereits de Sprache. Weitere sind Räumlichkeit und Gestik.

Die haptische Form der Gemälde sticht beim ersten Betrachten sofort ins Auge: Schichtiger Aufbau mit Körnern, Sand, Gesteinsbröckchen.

Wie ein Bildhauer erobert und eröffnet der Künstler sich seine Welt auf dem Bildträger. „Die Materie – in Bild oder in der Komposition – ist kein tragendes Element einer ihr Aufgezwungenen Bedeutung, keine Bestimmte Form, sondern ihre eigen Form „Être la matière“, schrieb Flaubert“.

Konsequent kämpft Plato E. Papastamos gegen die Flächigkeit seiner Bilder an. Der ergriffene Raum wächst dem Betrachter plastisch entgegen und nimmt ihn in Besitz. Die Strukturen nehmen Position ein. Würde der Künstler auf die wachsende Strukturen in seinen Leinwänden und Papierarbeiten verzichten, wäre das im Bezug auf die bereits angesprochene Erdverbundenheit ein falscher Kompromiss. Dazu ist der Künstler nicht bereit. Warum auch? Im Malprozess folgt er konsequent seiner inneren Ordnung und Vorstellung von Materie.

Ferner hat die Materialität in den Bildern des Plato Papastamos eine weitere Logik: In den tiefen, dickflüssigen Malgrund kann er, fast mit den Automatismen der Tachisten vergleichbar, verbale Zitate in Form von Schriftzeichen in das noch feuchte Material einkratzen. Dies ist eine weitere Stufe zum Aufbau von dem, was für ihn ein Bild ausmacht.

Natürlich hat auch Schrift in der Kunstgeschichte in direktem Zusammenspiel mit Kunstwerken Tradition. Man denke z.B. an Sockel hellenistischer Skulpturen. Doch bei Papastamos ist es keine Erläuterung oder Überschrift dessen, was zu sehen ist, sondern vielmehr Teilerläuterung, Fragment oder Ergänzung.

Neben der rein ästhetischen Form der Zeichen und Symbole wird durch sie die Wichtigkeit des Exponates ergänzt und unterstrichen. Oft sind es nur Wortfetzen, einzelne Begriffe oder Sätze, die in einem Automatismus in den künstlerischen Schaffensprozess einfließen. Diese Kratzer sind Spuren, die keinen aggressiven Charakter in sich tragen, sondern alleine der Form- und Inhaltsgebung dienen. Häufig ist in die Bilder auch der Titel des jeweiligen Werkzyklus’ eingekratzt.

Ebenso die Durchstoßungen, auch sie sind ein wesentliches Element des Schaffens. Ebenso wie eine malerische Form. Dem Versuch der geritzten und durchstoßenen Leinwand eine Symbolik beizubringen, entzieht sich der Künstler vehement, kommt immer auf seinen Formenkanon und die Vielfalt seines künstlerischen Vokabular zu sprechen.

Die Arbeiten von Plato E. Papastamos sind in verschiedene Werkzyklen einzuteilen. Stößt man etwa auf löchrige Strukturen und Durchstoßungen, hat man es gewiss mit einer Arbeit aus dem Zyklus „Aaatos“ zu tun. In diesem bearbeitet der Künstler die Leinwände auf unterschiedlichste Weise, mit vielfältigen Materialien. Als gemeinsamer Nenner aber weist er immer die angesprochenen Löcher auf.

Nach eigener Erzählung fand Plato E. Papastamos „zufällig“ in einem Niederländischen Antiquariat ein altes griechisches Wörterbuch, in welchem er eben die Seite „Aaatos“ aufschlug und sich von diesem Wort inspirieren lässt. Es wird von nun an zum Titel eines großen Werk- und Arbeitszyklus, den der Künstler durchschreitet. Wie es ein Wanderer bei einem unbekannten Waldstück macht: Vorsichtig, da Neuland, aber voller Neugier und Entdeckerlust.

„Aaatos“ bedeutet unverletzlich. Doch wie drückt man diesen Zustand künstlerisch aus? Mit einer perfekten Oberfläche? Nein, Papastamos nähert sich von einer anderen, konträren, Seite. Seine Bildhaut ist durchstoßen aber ohne Gewalt und Aggressivität, eher zu sehen als bildnerisches Symbol. Als ob etwas geschehen sei und dennoch nicht. Das Loch, die Durchstoßung wird zum Symbol für Unverletzlichkeit. Und ist in diesem Kontext niemals als Wunden zu sehen, immer nur als Element einer Sprache der Darstellung eines Zustandes, den der Künstler durchschreitet.

Beschreibt Maarten´t Hart in seiner Erzählung „Concerto Russe“ den Klang klassischer Instrumente, macht er das sprachlich äußerst elegant, bleibt aber dem realen Klang des Instrumentes immer Hinterher. Ebenso ergeht es hier dem Schreiber, soll er von der Wirkung eines Bildes von Plato Papastamos aus dem „Aaatos“-Zyklus sprechen. Allein die Intention ist bei einer schriftlichen Interpretation rüberzubringen, das was den Künstler bewegt, wie das Bild entsteht, wie seine Farben sind und welche Bedeutung es hat.

„Aaatos“ ist dabei ein Thema, das neben anderen Themen existiert. Eine solche Thematik erarbeitet er stets konsequent, nie aber eingrenzend, so dass auch verschiedene Werkzyklen nebeneinander entstehen und existieren können.

Plato E. Papastamos ist in seinem Werk nie dem „Imago Die“ verhaftet, vielmehr dem irdischen Hier und Jetzt. Seine Themen bezwecken nie die Suche nach einer Lösung, sondern vielmehr eine Bestandsaufnahme, eine Untersuchung, die dem Künstler den Ist-Zustand auf seinem Weg vergegenwärtigt. Diesen Ist-Zustand erarbeitet sich der Künstler mit seinen Werkzeugen: Farbe, Form, Schrift, Material und Durchdringung.

Wenn ein Betrachter auf ein Kunstwerk trifft, kann es zu verschiedenen Reaktionen kommen: Entweder er geht vorbei oder bleibt stehen. Mich haben die Arbeiten von Plato E. Papastamos gefangen genommen. Das schaffen nicht viele.



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Plato E. Papastamos (* 1959 in Georganades) ist ein griechischer Maler, der sich in seinem Oeuvre mit der Natur auseinandersetzt. Vor allem die Erde mit ihren vielen verschiedenen Strukturen (sandig, steinig, krümelig, rau) inspiriert ihn hierbei zu immer neuen Arbeiten.

Biografie
1959 in Georganades, Griechenland geboren
seit 1986 Studium an der Kunstakademie Münster
1989 - 1994 Informelle Richtung bei M. Gutmann
1999 Gründer der „HEFAISTOS“ - Gruppe

GEFESSELT UND DURCHSTOSSEN - Zu den Arbeiten von Plato E. Papastamos (von Michael M. Marks)

Wenn der Betrachter auf ein Kunstwerk trifft, kann es zu verschiedenen Reaktionen kommen. Die extremsten sind Begeisterung oder Ablehnung. Diese zwei völlig verschiedenen Tendenzen stehen sich konträr gegenüber und genau zwischen ihnen liegt die Gleichgültigkeit.

Als ich diesen Katalogbeitrag zusagte, machte ich das ohne große Überlegungen, denn mir selber ist beim Betrachten der Arbeiten des Künstlers Plato E. Papastamos leibhaftig eine solche angesprochene Extremposition widerfahren: Ich war begeistert!

Wenn einem eine eigenständige Haltung in der Kunst begegnet, möchte man diese sofort in eine Schublade verstauen, einen Vergleich vornehmen um den Künstler mit seinen offerierten Ergebnissen in besagter Schublade direkt wieder verschwinden zu lassen. Herausragend im eigentlichen Sinne des Wortes sind die Künstler, mit denen das nicht gelingt. Plato E. Papastamos konnte ich nicht wegordnen und noch jetzt stehe ich vor einem seiner Bilder, staune, bin gefesselt.

Von diesem Phänomen soll hier die Rede sein.

Der erste Blick auf die Bilder: Sonnengelb bis Zitronengelb - ein helles, wie dunkles Rotbraun - Grün, eher schlammgrün.

Die Farbe eines Bildes löst die erste Reaktion aus, denn sie ist der ursprünglichste aller Reizmomente. Selbst aus der Entfernung entstehen so die ersten Eindrücke, lange bevor man sich der Form und Inhaltlichkeit eines Kunstwerkes gewahr wird.

Die Farbe spielt eine außergewöhnlich wichtige Position im Œvre von Plato E. Papastamos: Einerseits ist sie tief und schwer, dann wiederum flügelleicht. Robert Hughes, der große amerikanische Kunstkritiker spricht dieses Phänomen folgendermaßen an: […] “Farbe, die von der Oberfläche aufgesaugt wurde und um das Licht filtert. Die besten Gemälde […] besitzen eine rhapsodische Leichtigkeit; etwas fast wollüstiges in ihrer rückhaltlosen Hingabe an das Gefühl.“ (Robert Hughes)

Das Grün trägt die Sattheit von Moos, das gedeckte Gelb die Farbenpracht herbstlicher Kastanienblätter, das Rotbraun haftete gestern noch an unseren Schuhen beim durchwaten der Tongrube. Satt sind die Farben, manchmal zurückhaltend wie Töne.

Papastamos wirkt mit seinem Farbkanon direkt auf die Sensibilität des Betrachters ein. Besonders in den hellen Farben der Bilder entsteht ein strahlendes Licht, das leuchtet und reflektiert. Delaunay bemerkt: „Das Licht erreicht uns über unsere Empfindung ohne die optische Empfindung kein Licht, keine Bewegung. Das Licht in der Natur erschafft die Bewegung der Farben. Die Bewegung ist gegeben durch die Beziehung der ungleichen Maße, der Farbkontraste untereinander. So erzeugt sie Realität“

Die bewusst gewählte Farbpalette des Malers besteht aus reinen Erd- und Natur- Tönen. Es ist eine tiefe Erdverbundenheit, die Papastamos zu seiner Arbeit treibt. Die Elemente Luft, Erde, Wasser und Feuer sind in seinem Werk durch die Farbauswahl ganz existentiell und essentiell symbolisiert. Es interessiert ihn nicht, was zehntausend Meter über der Erde passiert, kosmische Themen und Inhalte überlässt er anderen.

In einem der ältesten Kunstwerke der Menschheitsgeschichte, den Malereien der Höhle von Lascaux begegnen uns Pferde, Krieger und Jagdszenen in rotbraun und Siena-Tönen, die ebenso ursprünglich, roh, und gleichzeitig wieder so sensibel erscheinen. Eben dieser Kontrast begegnet uns auch im Werk unseres Künstlers. Hier ist sie: Die Ursprünglichkeit der Farbe mit einer jahrtausend alten Tradition. Immer berührt er in der Farbwahl des Tones etwas im Betrachter und stößt etwas an. „Farbe und Klang sind Phänomene, durch deren gleichzeitige Entfaltung die neue Kunst entsteht. Das Unterbewusstsein, das alle Bilder speichert, das die Bedeutung des Wesens und die Formen dieser Bilder in sich aufnimmt, informiert die menschliche Natur durch seine Wahrnehmungen.“ (Lucio Fontana) Lucio Fontana Papastamos, mutig und entschlossen, von der Unsicherheit und Zaghaftigkeit eines Epigonen weit entfernt, schöpft er aus dem unendlichen Fundus des Daseins: Der Natur. Alles das was uns draußen begegnet, sei es verborgen oder offenbar existent, begegnet uns auch wieder in seiner Kunst.

Von der Flächigkeit über leichte Erhebungen bis hin zu Leinwandkratern erlebt die Farbe eine Entwicklung zur Materialität: “Wie mit einem bestimmten Material nicht jeder beliebige Geist rein und klar ausgedrückt werden kann, so lässt umgekehrt das Material den Geist, der sich in seiner Oberfläche zu entäußern sucht, einen gewissen Spielraum […]“ (Max Raphael) Dieses Phänomen nutzt Papastamos in seinem Sinne und setzt Materialität als Gestaltungselement ein.

Wie oft begegnet uns die Symbiose von erdhafter Farbigkeit und Materialität in dieser Form? Vielleicht ist sie uns noch von Emil Schumacher oder Antoni Tapies geläufig, diese setzten sie allerdings ganz anders, nämlich für ihre informellen Inhalte ein. Lasuren, aber auch körniges, farbiges Pigment gehören ebenso zum Handwerkszeug von Plato E. Papastamos. Die satten Farben werden durch die Technik manchmal wie Töne zurückgehalten; wie in der hellen Lasur, die wie ein Schleier über das Bild gelegt wurde und versucht, die Intensität und Lautstärke der Farbe wie ein Vorhang zu verdecken.

Zusammensetzen, überdecken, scheitern und neu beginnen - mit aller Kraft wirken die Bilder von Plato E. Papastamos an der Ursprünglichkeit, an der Quelle von Farbe und Malerei.

Auf- und Verdecken, ein Thema das der Kunst seit Jahrhunderten innewohnt. Künstler nutzten dieses Stilmittel in unterschiedlichsten Arten: Versteckte beispielsweise der Symbolismus seine Aussagen in Zitaten und Chiffren oder verhüllt ein Christo seine Objekte mit dem Werkmaterial Stoff, um das zu zeigen, was ohne eben diese Verhüllung gar nicht augenscheinlich geworden wäre. Das Stilmittel des Verhüllens ist nur eine von vielen Wohltaten, die Plato E. Papastamos seinen Arbeiten angedeihen lässt, um darin seine Sprache, seine Ausdrücklichkeit zu finden.

Ein weiteres Argument von seinen Bildern gefesselt zu sein: Der Formenkanon, den der Künstler für seine Leinwände und Papierarbeiten in Anspruch nimmt ohne überladen zu wirken. Von der Farbe war bereits de Sprache. Weitere sind Räumlichkeit und Gestik.

Die haptische Form der Gemälde sticht beim ersten Betrachten sofort ins Auge: Schichtiger Aufbau mit Körnern, Sand, Gesteinsbröckchen.

Wie ein Bildhauer erobert und eröffnet der Künstler sich seine Welt auf dem Bildträger. „Die Materie – in Bild oder in der Komposition – ist kein tragendes Element einer ihr Aufgezwungenen Bedeutung, keine Bestimmte Form, sondern ihre eigen Form „Être la matière“, schrieb Flaubert“.

Konsequent kämpft Plato E. Papastamos gegen die Flächigkeit seiner Bilder an. Der ergriffene Raum wächst dem Betrachter plastisch entgegen und nimmt ihn in Besitz. Die Strukturen nehmen Position ein. Würde der Künstler auf die wachsende Strukturen in seinen Leinwänden und Papierarbeiten verzichten, wäre das im Bezug auf die bereits angesprochene Erdverbundenheit ein falscher Kompromiss. Dazu ist der Künstler nicht bereit. Warum auch? Im Malprozess folgt er konsequent seiner inneren Ordnung und Vorstellung von Materie.

Ferner hat die Materialität in den Bildern des Plato Papastamos eine weitere Logik: In den tiefen, dickflüssigen Malgrund kann er, fast mit den Automatismen der Tachisten vergleichbar, verbale Zitate in Form von Schriftzeichen in das noch feuchte Material einkratzen. Dies ist eine weitere Stufe zum Aufbau von dem, was für ihn ein Bild ausmacht.

Natürlich hat auch Schrift in der Kunstgeschichte in direktem Zusammenspiel mit Kunstwerken Tradition. Man denke z.B. an Sockel hellenistischer Skulpturen. Doch bei Papastamos ist es keine Erläuterung oder Überschrift dessen, was zu sehen ist, sondern vielmehr Teilerläuterung, Fragment oder Ergänzung.

Neben der rein ästhetischen Form der Zeichen und Symbole wird durch sie die Wichtigkeit des Exponates ergänzt und unterstrichen. Oft sind es nur Wortfetzen, einzelne Begriffe oder Sätze, die in einem Automatismus in den künstlerischen Schaffensprozess einfließen. Diese Kratzer sind Spuren, die keinen aggressiven Charakter in sich tragen, sondern alleine der Form- und Inhaltsgebung dienen. Häufig ist in die Bilder auch der Titel des jeweiligen Werkzyklus’ eingekratzt.

Ebenso die Durchstoßungen, auch sie sind ein wesentliches Element des Schaffens. Ebenso wie eine malerische Form. Dem Versuch der geritzten und durchstoßenen Leinwand eine Symbolik beizubringen, entzieht sich der Künstler vehement, kommt immer auf seinen Formenkanon und die Vielfalt seines künstlerischen Vokabular zu sprechen.

Die Arbeiten von Plato E. Papastamos sind in verschiedene Werkzyklen einzuteilen. Stößt man etwa auf löchrige Strukturen und Durchstoßungen, hat man es gewiss mit einer Arbeit aus dem Zyklus „Aaatos“ zu tun. In diesem bearbeitet der Künstler die Leinwände auf unterschiedlichste Weise, mit vielfältigen Materialien. Als gemeinsamer Nenner aber weist er immer die angesprochenen Löcher auf.

Nach eigener Erzählung fand Plato E. Papastamos „zufällig“ in einem Niederländischen Antiquariat ein altes griechisches Wörterbuch, in welchem er eben die Seite „Aaatos“ aufschlug und sich von diesem Wort inspirieren lässt. Es wird von nun an zum Titel eines großen Werk- und Arbeitszyklus, den der Künstler durchschreitet. Wie es ein Wanderer bei einem unbekannten Waldstück macht: Vorsichtig, da Neuland, aber voller Neugier und Entdeckerlust.

„Aaatos“ bedeutet unverletzlich. Doch wie drückt man diesen Zustand künstlerisch aus? Mit einer perfekten Oberfläche? Nein, Papastamos nähert sich von einer anderen, konträren, Seite. Seine Bildhaut ist durchstoßen aber ohne Gewalt und Aggressivität, eher zu sehen als bildnerisches Symbol. Als ob etwas geschehen sei und dennoch nicht. Das Loch, die Durchstoßung wird zum Symbol für Unverletzlichkeit. Und ist in diesem Kontext niemals als Wunden zu sehen, immer nur als Element einer Sprache der Darstellung eines Zustandes, den der Künstler durchschreitet.

Beschreibt Maarten´t Hart in seiner Erzählung „Concerto Russe“ den Klang klassischer Instrumente, macht er das sprachlich äußerst elegant, bleibt aber dem realen Klang des Instrumentes immer Hinterher. Ebenso ergeht es hier dem Schreiber, soll er von der Wirkung eines Bildes von Plato Papastamos aus dem „Aaatos“-Zyklus sprechen. Allein die Intention ist bei einer schriftlichen Interpretation rüberzubringen, das was den Künstler bewegt, wie das Bild entsteht, wie seine Farben sind und welche Bedeutung es hat.

„Aaatos“ ist dabei ein Thema, das neben anderen Themen existiert. Eine solche Thematik erarbeitet er stets konsequent, nie aber eingrenzend, so dass auch verschiedene Werkzyklen nebeneinander entstehen und existieren können.

Plato E. Papastamos ist in seinem Werk nie dem „Imago Die“ verhaftet, vielmehr dem irdischen Hier und Jetzt. Seine Themen bezwecken nie die Suche nach einer Lösung, sondern vielmehr eine Bestandsaufnahme, eine Untersuchung, die dem Künstler den Ist-Zustand auf seinem Weg vergegenwärtigt. Diesen Ist-Zustand erarbeitet sich der Künstler mit seinen Werkzeugen: Farbe, Form, Schrift, Material und Durchdringung.

Wenn ein Betrachter auf ein Kunstwerk trifft, kann es zu verschiedenen Reaktionen kommen: Entweder er geht vorbei oder bleibt stehen. Mich haben die Arbeiten von Plato E. Papastamos gefangen genommen. Das schaffen nicht viele.

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Plato-E-Papastamos_oT-II571e029396c68

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o.T. (II)
Unikat Mischtechnik mit Wachskreiden und Pigmemten auf durchstoßenem Papier aus dem Jahr 2003
Papastamos_Aatos-0_2003

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Aatos 20
Unikat Mischtechnik mit Wachskreiden und Acryl auf durchstoßenem Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2003
Papastamos_aatos-diplos_2002

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Aatos-Diplos
Unikat Mischtechnik auf durchstoßenem Papier aus dem Jahr 2002
Papastamos_aatos-kathetos-1

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Aatos-Kathetos I
Unikat Mischtechnik auf durchstoßenem Papier aus dem Jahr 2008
papastamos_aatos-Kathetos_II

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Aatos-Kathetos II
Unikat Mischtechnik auf durchstoßenem Papier aus dem Jahr 2008
Papastamos_Topos-I_2003

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Topos I
Unikat Mischtechnik mit Wachskreiden, Pigmemten und Sand auf Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2003
Papastamos_Aatos-21_2003

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Aatos 21
Unikat Mischtechnik mit Wachskreiden und Acryl auf durchstoßenem Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2003
Papastamos_Aatos-22_2003

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Aatos 22
Unikat Mischtechnik mit Wachskreiden und Acryl auf durchstoßenem Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2003
Papastamos_Aatos-Farkadona-II_2003

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Aatos-Farkadona II
Unikat Mischtechnik mit Pigmemten und Sand auf durchstoßenem Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2003
Papastamos_Aatos-Farkadona-I_2003

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Aatos-Farkadona I
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Papastamos_Topos-II_2003

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Topos II
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Papastamos_Daphnes-und-Chloe-III_2006

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Daphnes und Chloe III
Unikat Kratzmalerei, Acryl auf Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2006
Papastamos_Daphnes-und-Chloe-II_2006

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Daphnes und Chloe II
Unikat Kratzmalerei, Acryl auf Papier signiert und datiert aus dem Jahr 2006
Papastamos_Daphnes-und-Chloe-I_2006

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Daphnes und Chloe I
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Papastamos-Aatos_Melonengelb_2002JPG

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Aatos (melonengelb)
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Aatos alpha
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Aatos beta
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Plato-E-Papastamos_Geotopos-II571e029e26bdb

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Geotopos II
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Plato-E-Papastamos_Geotopos-IV571e029fdca66

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Geotopos IV
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Plato_E-_Papastamos_OT_Saeulenstumpf

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