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Wissenswertes

Albrecht, Marlis:

 Am Fenster


Einem Bild von Marlis Albrecht zu begegnen, ist wie an einem geöffneten Fenster vorbeizugehen. Es wird uns Betrachtern eine Szenerie, ein Geschehen gegenwärtig, das man sekundenschnell emotional und mit einem Augenaufschlag aufnimmt, und beim Weitergehen wirkt es dann fort.

Auf den Bildplatten von Marlis Albrecht, die mit Farbe, Wachs und verschiedenen anderen Materialien getränkt sind, begegnet uns eine wunderbare Momentaufnahme, eine offene, eine, die nichts zu verbergen hat, in der aber auch alles geschehen kann. Ein Szenario, das in seinem Erzählmodus ebenso frei fließen kann wie das pastose, warme Wachs, das die Künstlerin erkoren hat "ihr" Material, ihre Sprache, zu werden.

Und ich, unbeobachtet, wie ich bin, schaue hin, wieder und wieder. Genieße es, Spektant einer fremden Welt, eines Tête-à-Tête oder eines Pas de deux zu sein oder einfach einer Gruppe grölender Männer und zahlenmäßig nicht weniger Frauen zuzuschauen, die sich über die Spezies "Kerl" amüsieren (gibt es da doch einen Funken heimlicher Bewunderung auf der femininen Seite für den einen oder anderen Haudegen?).

Die Magie Albrechtscher Malerei liegt in der Freiheit des Moments und der offenen Deutung. Viel zu plump wäre es ihr, eine fertige Story zu liefern. Keine Lösungen, keine Geländer, an denen man sich optisch durchs Bild hangeln könnte, und schon gar keine vorgefertigten Erzählstränge! Nie bedient sie in ihren "Still-Lifes" gängige Klischees, sondern kreiert immer wieder neue Sekunden. Die Künstlerin geht dabei locker und frech mit Sujet, Raumaufteilung und Farbgebung um. Sie gießt, malt, kratzt hervor, sucht, gibt und findet.

"Darstellung pur" könnte man sagen, wobei das auch nicht ganz zutrifft. Denn in ihrer Liebe zur Darstellung verliert Marlies Albrecht sich zartfühlend, wie beispielsweise in die Ornamentik eines Kleidungsstückes oder in die detaillierte Darstellung eines ihrer so typischen Wachsgesichter. Sie reflektiert darin Details einer realistischen Aufnahme, die sie in ihre Formensprache übersetzt und sich zu eigen macht, voller individueller Poesie, Wärme und Liebe.

Die Figuren der Albrechtschen Wachsbilder (den Bienen sei Dank!)inweis entspringen in ihrem Tun unserer, ihrem Aussehen nach einer eigenen Welt. Sie sehen menschlich aus, sind es aber nicht. Es sind eigenständige Wesen, mit eigenem Staat, Währung und König(in). Gerade weil sie uns Menschen so ähnlich sind, macht es uns eine diebische Freude, ihr Tun zu beobachten, denn dies ist unserem ebenso gleich wie das Aussehen. Vielleicht sogar noch etwas näher daran - ganz nah!

Auch die Beschaffenheit der Hauttypen zeigt Parallelen: Durch die diversen, lasierend schimmernden Wachsschichten entsteht der Eindruck menschlicher Haut in all ihrer Tiefe - faszinierend! Gerade das Material Wachs gibt der Künstlerin die Möglichkeit, Schicht um Schicht aufzubauen, gleichsam wie eine Bildhauerin, die durch die Dreidimensionalität noch mehr Räumlichkeit in der künstlerischen Darstellung etabliert und Leben schafft. Vielleicht ist das der Grund, warum so viele Menschen in unsere Galerie kamen, als erstmalig Malbrecht-Arbeiten den Wänden ein neues Gesicht zauberten, und sie fast immer ausverkauft ist - obwohl sie die Bilder nicht verschenkt.

Selbst ein Teil dieser Welt zu werden und diese Welt in unsere einzureihen, ist ein freud- und lustvoller Prozess. Wenn man ein Bild von Marlis Albrecht gesehen hat, vergisst man es nicht. Und wird das nächste ob seiner Einmaligkeit alsbald wiedererkennen.

Malbrecht, so ihr Künstlername, verliert sich im Malprozess, beim Wachsbaden (ein Begriff, so schön, dass ich ihn ihr rauben musste), bringt sich in ihm ein und verliert sich ganz darin. Nur wenige Künstler habe ich erleben dürfen, die sich so daran reiben, so ein Wollen und gleichzeitig Tun haben. Aber ich glaube, das brauche ich Ihnen gar nicht zu sagen. Man spürt es den Bildern an.

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Alt, Otmar:


Ich behaupte oftmals (wenn es um das dumme Argument geht "Kunst kommt von können...") Bild wird abgeleitet von Bildung. Otmar Alt aber sagt es wäre die Kunst, die vom Künden käme. So fühlt er sich eben auch berufen seine Arbeit einem breiten Publikum zugänglich zu machen, zu künden und verkünden, wobei er nicht nur mit den unterschiedlichsten künstlerischen Techniken experimentiert und arbeitet, sondern eben auch seine Kunst in den Alltag der Menschen transportiert, indem er beispielsweise eine Autoausstattung designt, Porzellan für Rosenthal verschönert, aber auchwohltätig Geld sammelt für ein israelisches Projekt Bäume in der Wüste zu pflanzen, indem er  einen Phantasievogel a la Otmar Alt zusammen mit der Firma Steiff zu kreiert. Fahren Sie von Dortmund nach Paderborn begegnen Ihnen an der Autobahn riesige, wunderschöne "Mahnmale" Otmar Altscher Kunst und das Corporate identety für den Allwetterzoo in Münster ist auch aus der Hand von Otmar Alt. Ein Künstler, wie aus dem Bilderbuch. Einem ganz farbigen...
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Aquarell:

 Das Wort Aquarell leitet sich vom Lateinischen (Aqua=Einer, der Einzige) ab und bezeichnet eine Malerei mit wässerlöslichen, lasierenden Farben. Diese Technik hat eine jahrtausendealte Tradition, da bereits in der Höhlenmalerei Erdpigmente mit Wasser angelöst wurden, um anschliessend an die Wand gebracht zu werden. Auch das künstlerische Tun der alten Ägypter auf Papyros kannte bereits die technische Finesse um Farbpigmente, welche auf wasserlöslicher Basis verarbeitet werden konnten.

Die Qualität heutiger Aquarellpigmente ist derart hoch, daß damit beste Ergebnisse erzielt werden können. Diese, mit einem in Wasser getauchten Pinsel werden leicht angelöst, um dann auf ein hochwertiges Papier, welches die Aquarellfabe schnell und freudig aufnimmt und tief in die Faserstrukturen eindringen lässt, bringt beste Ergebnisse. Dabei entsteht der lasurartige Farbauftrag und die erwünschten intensiven Aquarellfarbränder. Mischttöne entstehen durch mehrmaligen Auftrag übereinander, weiße Flächen durch auslassen der Farbe oder frühzeitiges abdecken dieser mit sogenanntem Rubbelkrepp, das selbst wasserabweisende Eigenschaften beinhaltet.

Besonders beeindruckend sind beispielsweise die Aquarelle von Klaus Fußmann

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Auflage:

Eine Original-Druckgrafik wird fast immer in limitierter und numerierter Auflage verlegt. Über die Höhe der Auflage entscheidet der Künstler aber auch die Abnutzung des Druckträgers. Außerhalb der festen Auflage erscheinen oftmals 10 - 20 % als E. A.-Exemplare (franz.: épreuve d''artiste), die zum Teil auch als "Probe" oder "Erstabzug" bezeichnet werden. Die H. C.-Exemplare sind meist für den Verleger reserviert. "Hors de commerce" bedeutet so viel wie "außerhalb des Handels". Nach dem Drucken der Gesamtauflage wird der Druckträger unbrauchbar gemacht.

Auflagenobjekte machen fast alle unsere Künstler, wie Horst Antes, Elvira Bach, Bruno Bruni, Christo, Klaus Fußmann, Janosch, Jörg Döring, David Gerstein, Günter Grass, Ottmar Hörl, Willi Kissmer, Volker Kühn, Kunstkaufhaus Ost, Markus Lüpertz, Andreas Lutherer, Heinz Mack, Armin Mueller-Stahl, Erik Offermann, A.R. Penck, James Rizzi, Niki de Saint Phalle, Günther Uecker, Victor Vasarely, Jutta Votteler, Peter Wever, Paul Wunderlich, Wolfgang Zelmer, u.a.

Bach, Elvira:

Ein offener Brief an Elvira Bach zur Vernissage am 19. Mai 2006 von Museumsdirektor Hartmut Schmidt

Sehr geehrte, liebe Frau Bach,

wenn ich Ihnen morgen vorlese, was ich Ihnen heute schreiben will, wird mir keiner glauben, dass ich Ihnen das nie direkt sagen könnte, was ich Ihnen aber zu schreiben wage. Aber wer wenn nicht Sie sollte verstehen, das man manchmal ein „als ob“ braucht, einen Spiegel, vielleicht am besten ein Bild, wenn man denn malen könnte wie Sie!, damit man genau sein kann, möglichst auch sachlich und vielleicht sogar ehrlich.

Sie haben Künstlerkollegen wie ON KAWARA, der wochenlang seinen Bekannten per Post die Nachricht schickte „I AM STILL ALIVE!“ oder wie ROMAN O-PALKA, der sich seiner Existenz versichert, indem er die Reihe der natürlichen Zahlen notiert. Sie haben sich 1978 entschieden, sich anscheinend selbst zu malen: „Immer ich“ heißt das berühmte Dokument dieser – wie ich meine, rechtzeitigen und richtigen Entscheidung.

Inzwischen ist dieses Ich-Bild, Ihre Spiegelfrau, Ihr „Markenzeichen“ geworden. Ein Frauengesicht mit schmalen Augen, einen nie geöffneten und stets übergroßen geschminkten Mund, markanten Wangenknochen, einer mondsichelartig das Gesicht rahmenden Haarsträhne. Und wir kennen auch den zugehörigen Körper: breitschultrig, kurzberockt, mit übergroßen Händen an gerade herabhängenden Armen, mit kräftig modellierten Beinen, die in High-Heel-Füßen enden. Im Ganzen ist dieser Körper eher athletisch als ätherisch und jedenfalls kräftig genug, um selbst die Absicht einer Annäherung als gefährliches Abenteuer mit vorhersehbar schmerzhaften Ausgang erscheinen zu lassen.

Und Sie haben damals in Berlin fast im Handumdrehen die Bildsprache gefunden, die seitdem den unverrückbaren Referenzpunkt Ihrer malerischen Selbstvergewisserung bildet: den immer bestimmten, immer schnellen, immer ungeduldigen Strich,, die Reduktion der Lineatur auf Kurve und Zacke, und schließ-lich ein Kolorit, das sich im Gesäusel farbiger Nuancen ausnimmt wie der Knall eines Überschallflugzeugs in der Morgenfrühe, wie die Tür in einem stillen Haus, die jemand im Zorn zuwirft, oder wie der unmissverständliche Befehl einer Respektsperson: „Sieh mich an, wenn ich mit der rede!“.

Die Abenteuer jener Spiegelfrau zu erzählen, der Sie Ihr Gesicht gegeben haben, hieße einen Roman schreiben, freilich einen sehr merkwürdigen. Merkwürdig deshalb, weil anfangs neben jener Spiegelfrau, die wir Elvira, aber ebenso gut auch Eva nennen könnten, noch einige wenige Männer auftauchen, darunter ein Schneemann, dann schließlich nur noch ein Mann übrig bleibt, ein sehr dunkelhäutiger, sehr schöner, starker, bestimmter Mann, und endlich eins, zwei, ja drei Kleinkinder. Ansonsten keine weiteren Personen, dafür aber viele Schlangen, Pflanzen, Erdbeeren und Radieschen, Blumen (vorzugsweise Anthurien mit bisweilen angsteinflößenden Blütenkolben!), Alltagsgegenstände aus dem Badezimmerschrank oder der Handtasche der Frau oder Utensilien aus der Küche, aber auch Flaschen, Rotweingläser, Zigaretten, ja Zigarren. Was für Geschichten gäbe es zu erzählen von der geheimnisvollen Choreographie dieser Dinge auf der Bildfläche, aber mehr noch von den Räuschen, Verzückungen, Ekstasen, Freudentänzen, Fruchtbarkeitsritualen - alles magische Vorgänge, die eben diese Dinge aufladen mit einer Hochspannung von Vitalität, Bewegungsdrang, Kommunikationslust und Liebesverlangen und Liebesbereitschaft. Es könnte sein, liebe Frau Bach, dass jemand Sie fragt, ob Sie das alles selbst erlebt hat! Fragen Sie dann getrost zurück, ob Michelangelo wohl die Erschaffung Adams oder den Höllensturz der Verdammten selbst erlebt hätte! Vielleicht begreift der Frager dann, dass bei der „sentimental journey“ des Geistes ganz andere Abenteuer vorkommen können, als im sogenannten „wirklichen Leben“.

Ich darf nicht vergessen, Ihnen zu schreiben, liebe Frau Bach, wie mich vor genau sechs Jahren, als wir uns zum ersten Mal begegneten, der ungeheuer schnelle Kostümwechsel ihrer Spiegel-Eva faszinierte: Cocktailkleid, Minirock, Bikini, Bodey, nu inegral, schulterfreies Abendkleid, Tütü, und das alles hauteng wie eingenäht oder aufgemalt! Und der häufige Szenenwechsel hat mich - zugegeben! – damals schon etwas atemlos gemacht: Bar, Kneipe, Küche, Karibik, Afrika, imaginäre Farbräume von lasziver Dekadenz und extrem sparsamem, aber zumeist erotisch verwendbarem Mobiliar, kosmische Räume voll gefährlicher atomarer Strahlung, seltsame Landschaften mit züngelnden Bäumen, grundloses, ölig schillerndes, schwärzliches Gewässer. Sie dürfen mir das nicht übel nehmen: ich lebe seit langem in Wetzlar und das prägt ungemein, und deshalb fällt mir immer Fausts Höllenfahrt und Dantes Gang durchs Inferno ein, wenn ich die Lebensweise Ihrer Spiegel-Eva betrachte, aber ich weiß, das ist ganz falsch, denn da reisen ja Männer und sie sind nie alleine! Liebe, liebe Frau Bach, woher haben Sie die Kühnheit genommen, Ihre Spiegel-Eva so ganz alleine auf ihre Weltfahrt zu schicken? Es könnte einem ja angst und bange werden um das arme Mädchen!

Oh, pardon! Das hätte ich nun nicht schreiben dürften! Da ist wohl der männliche Beschützerinstinkt mit mir durchgegangen. Denn eins ist sie ja wohl nie und nimmer, Ihre Spiegel-Eva: ein armes Mädchen! Formatsprengend, elastisch-biegsam, scharfkantig und so sicher stehend, das nichts und niemand sie je umwerfen könnte oder wollte. Ich liebe diese übervollen Formate und diese format-füllenden Frauen, weil sie gar keinen Platz lassen für die Frage: „Wo ist denn der Partner?“ Ich denke, Sie stimmen mir zu: Nur wenn ich mich konsequent mit mir beschäftige, hat mein Partner jedenfalls genügend Freiraum für sich!

Ehe ich ins Grübeln gerate, liebe Frau Bach, ein paar Worte fast schon zum Schluss. Wie sehr bin ich dankbar, dass Ihre Frauen nicht immer nur stehen müssen! Seit vier Jahren liegen sie auch – keineswegs müde und abgespannt, sondern hellwach, mit aufgestütztem Oberkörper und locker wippenden Fußspitzen, mondän wie eh und je, vielleicht ein wenig pastelliger gewandet, und auch die schicken Strümpfe sind mir nicht entgangen. Ich finde die Damen ein wenig weicher, und manchmal sieht man, dass sie ihre hochhackigen Schuhe sogar ausziehen könnten, denn nicht immer sind mehr sie an den Füßen angewachsen! Aber immer noch füllt die Frau das Format und immer noch weiß man nicht: Ist sie in diesem Geviert in Gefangenschaft oder in Sicherheit? Darf ich gestehen, liebe Frau Bach, dass ich Ihre jetzt häufigeren Besuche im Revier des Stilllebens sehr schätze? Vielleicht sind die Ergebnisse nicht mehr ganz so hochelektrisch wie jene früheren Jonglagen mit Erdbeeren, Kartoffeln, Rotweingläsern oder Küchenmessern, aber der Tulpenstrauß im Arm der Liegenden oder die Katzen Maxi und Tweety hinter der immer noch rauchenden Spiegel-Eva, das eröffnet für mich neue Sensationen von Sensibilität, von Privatheit, von gelassener Gegenwart, die mir gut tun! Ich darf auch bekennen, dass mir Ihr „Afrikanischer Blumenstrauß“ so ungemein gut gefällt, und das nicht zuletzt wegen des schwarzen Mannes im Rücken Ihrer Spiegel-Eva. Wer die verdoppelte Rückenkontur nicht als energiereiche Stütze, nicht als geistige und physische Kraftreserve erkennt, wird wohl nie verstehen, wieso „ivory and ebony“ eben doch in „perfect harmony“ zusammengehören.

Ich muss schließen, liebe Frau Bach, aber nicht ohne Sie zu einem kurzen Blick in mein kleines „Musee en coeur“ einzuladen (das Salär eines Museumsleiters in Wetzlar beflügelt die Phantasie ungemein!). Da gibt es nämlich eine, wie ich meine respektable „Galerie des dames“ und dort hängen ganz dicht beieinander: Käthe Kollwitz, Paula Modersohn-Becker, Frieda Kahlo, Niki de Saint-Phalle und – pardon! – Elvira Bach! Und, liebe Frau Bach, eine Bitte ganz zuletzt: Tra-gen Sie meinetwegen Birkenstock-Sandalen, wenn Ihnen die Füße wehtun! Trinken Sie Kräutertee, falls die Cocktails nicht mehr bekommen sollten! Aber malen Sie bitte, bitte Ihre Spiegel-Eva nicht ohne High Heels, nicht ohne ein sündiges Zigarettchen und nicht ohne diese wunderbar weibliche, körperbewusste und selbstgewisse Attitüde. Sie haben uns seit 30 Jahren die Geschichte der schönen, stolzen Spiegel-Eva aufgezeichnet und wir haben Ihnen mit wachsendem Respekt zugeschaut. Malen Sie bitte weiter, denn Frau Christiansen, Frau Dr. Merkel und Frau von der Leyen können leider nicht malen.

Mit aufrichtiger Bewunderung,
Ihr
Hartmut Schmidt
Museumsdirektor

Bronzeguss:

Bei der fünftausend Jahre alten Technik des Bronzegusses modelliert der Künstler sein Modell, der späteren "Plastik", aus einem beliebigen Material. Dieses wird in eine Kautschukmasse eingebettet und nach dem Binden wird das Modell herausgeschnitten. Diese Negativform wird mit flüssigem Wachs ausgegossen und nach dem Erkalten die neue Positivform herausgeschnitten, die wiederum mit Einfüllstutzen versehen wird. Das Wachsmodell wird mit Keramik überzogen und anschließend im Ofen gebrannt, wobei das Wachs verbrennt. Man erhält so die Negativform für den Bronzeguß, in welche die flüssige Bronze eingefüllt wird und erkaltet. Nach dem Entfernen der Keramik verleiht der Künstler der Skulptur durch weitere Bearbeitung ihre besondere Patina.

Besonders außergewöhnliche Bronzen findet man von Paul Wunderlich und Bruno Bruni

Damrau, Tillmann:

Deutscher Maler und Grafiker *1961

 
Gedanken zu den Arbeiten von Tillmann Damrau

Tillmann Damraus Arbeiten mag man oder nicht. Das ist doch bei jedem Künstler so, werden Sie erwidern. Ja, aber der Grund Damraus Oeuvre nicht zu mögen ist, oftmals nicht lange genug hingesehen zu haben.
Denn ein Phänomen in der Kunstbetrachtung ist schlussendlich, wie schnell sich ein Kunstwerk erschließt oder ob es eine mystische Distanz wie eine Aura um sich aufbaut. In dieser Kategorie befinden sich die Werke des Stuttgarter Malers Tillmann Damrau (geb.1961) in bester Gesellschaft. Ikonografisch verwandt mit subtilen Performances oder Installationen mit großem theoretischem Überbau. Dabei sind, obwohl der Maler hoch gebildet, intellektuell und ein versierter und eloquenter Kenner internationaler Kunstgeschichte, seine Werke überaus emotional, malerisch wie zeichnerisch genial, voller Freude und (Woll-) Lust auf Leinen und Bütten.
Tanzen, wirbeln, sich enthalten. Elegant, dann mal wieder protzend, Farbberge, satte Ansammlung lustvoller Tubeninhalte, informeller Auftrag versus exakter Linie. Auf einen Damrau zu schauen heißt schwelgen, eintauchen, suchen, assoziieren, sich treiben lassen, genießen, genießen, genießen. Könnte man Linien und Farben in Töne übersetzen wäre es, als säße man in einem Konzert mit geschlossenen Augen, man würde entführt und gefesselt von abstrakten Melodien, die sich immer wieder an die Küsten harmonischster Klangmelodien winden, die sofort Hirn und Herz erobern, um sich kurz darauf wieder zu verflüchtigen, wie wattebauschartiger Rauch im Novembersturm. Immer verbunden mit der Sicherheit, aus abstrakten Himmeln wieder auf gewohntem Boden sanft zu landen, der Sicherheit gibt und Schönheit zeigt.
Schön, wunderschön sind die Bilder des Künstlers, auch wenn Sie mir im ersten Moment, mit besagtem schnellem (vielleicht wirklich zu schnellem) Blick nicht zustimmen mögen und der Künstler das Wort "SCHÖN" garantiert nicht auf der Hitliste seiner Lieblingsworte führt. Denn sie sind mehr als Bilder. Mehr als Farben und Lineaturen auf Leinwand. Mehr als Zitate, Allegorien und Erzählungen menschlichen Seins. Sie sind Reisen. Wenn ich auf eines meiner vielen geliebten Damrau-Bilder sehe, reise ich. Mit den Augen, mit den Emotionen und vor allem in und mit meiner Phantasie. Denn sowohl hier als da ist alles möglich, spielen Naturgesetze, wie Schwerkraft und Proportionen, spielen Vorschriften keine Rolle.
Künstler propagieren für sich frei zu sein, frei zu leben und zu handeln. Pah!!! Jeder Millimeter der Leinwand bemalt, alles in seinen Möglichkeiten, mal eine Kuh, die auf einer Chagallgrafik fliegt. Oder war es ein Geiger? Aber immer alles nach den gleichen, meist langweiligen Regeln. Und da kommt so ein Damrau daher (gestapft, würde er sagen) und nimmt sich zu Recht alles raus, was ihm in den Sinn kommt. Kompromisslos. Warum muss der Holzschnitt immer limitiert auf Bütten erscheinen, die Zeichnung auf Ingres gebannt, das Öl flächig oder dann auch mal extrem pastos auf die Leinwand gestaucht? Warum? Im Werk Damraus ist es letztendlich völlig belanglos ob das Rot gemalt oder collagiert ist, da es als reine Farbe zu sehen ist. Unerheblich von daher nicht, dass es eine andere subtile Art der Räumlichkeit besitzt. Aber zumindest behält sich der Künstler vor, sich der Hilfsmittel zu bedienen, die ihn im Moment des Malaktes als bestgeeignet erscheinen. Warum dann nicht auch eine akademische Linienführung einer ziemlich dilettantischen Darstellung eines Stiefels gegenüberstellen? Es geht auch hier - wie bei der Farbe - nicht um das "Wie" der Darstellung, sondern um Ihre Präsenz an sich. Dass der Künstler bestens in der Lage ist einen 1-a-Stiefel darzustellen, wird bei der Betrachtung jedes, bis ins Detail exakt dargestellten Fingers, gegenwärtig.
Natürlich gibt es in uns allen immer die Angst, etwas nicht zu verstehen und als dumm zu gelten. Gerade bei der Installation, der Performance oder bei einer Arbeit von Tillmann Damrau, die ob ihrer vielen Brüche im ersten Moment verstörend wirkt.
Ich bitte Sie: Lassen Sie sich ein. Gehen Sie auch auf die Reise. Vorbehaltlos und frei. Einfach loslassen, fliegen, landen und wieder schweben. Von Farbe zu Linie, von Element zur Geschichte. Vom Detail zum Farbbrei. Erleben Sie es. Genießen Sie es. Sie werden es mögen. Sie werden es beim nächsten Mal gleich wieder erkennen und lieben. So wie ich es liebe. Kompromisslos.
Michael M. Marks
 

de Saint Phalle, Niki:

Niki de Saint Phalle (1930 - 2002) zählt zu den faszinierendsten Künstlerinnen des 20.Jahrhunderts.

Marie Agnes de Saint Phalle wurde am 29.10.1930 in Paris geboren, "ein Kind der Depression", wie sie selbst über sich sagte. Der Vater stammte aus dem französischen Landadel ("Die dreizehntälteste Familie Frankreichs!"), war Bankier und hatte im Börsenkrach von 1929 soeben sein gesamtes Vermögen verloren, die Mutter war Amerikanerin großbürgerlicher Herkunft, so dass Niki, wie sie schon seit frühester Kindheit genannt wurde, in verschiedenen Kulturen, jedoch stets in "gehobener Gesellschaft" aufwuchs. Während des Faschismus lebte die Familie in Amerika, dann wieder in Frankreich, zum Teil lebte Niki bei den Großeltern, anschließend wieder bei den Eltern oder im Internat. Ihre Kindheitserfahrungen, wie der alltägliche Rassismus, den sie in Amerika erlebte, eine strenge und katholische Erziehung durch die Eltern, die interne Gewalt in der Familie unter Wahrung des äußeren Scheins, die Konfrontation mit stereotypen weiblichen Rollenklischees, sowie verschiedene Konfessionsschulen, und ein Klosterinternat legten den Grundstein für ihr späteres Schaffen. Das einschneidendste Erlebnis aber war der Missbrauch durch den Vater im Alter von 11 Jahren. "Ich wollte meinem Vater verzeihen, dass er mich, als ich elf Jahre alt war, zu seiner Geliebten zu machen versuchte. Ich fand nur Wut und leidenschaftlichen Hass in meinem Herzen."

In Amerika aufgewachsen als  Bankierstochter startete ihre Karriere als Model für Vogue, Harper'''''''''''''''' s Bazaar und Life Magazine. Kurz nach ihrer Heirat mit Harry Mathews bekam Niki de Saint Phalle eine Tochter, zog 1952 nach Paris, unternahm lange Reisen, nahm Schauspielunterricht, bekam einen Sohn, geriet in eine schwere existentielle Krise und begann ab 1956 intensiv künstlerisch zu arbeiten, hauptsächlich mit Material-Assemblagen.
1961 traf Niki de Saint Phalle mit ihren Aufsehen erregenden Schießbildern (Tirs) und Aktionen den Nerv der Zeit, gab der Bewegung der Nouveaux Réalistes wichtige Impulse und verkörperte schon früh ein neues Frauenbild.
Die Auseinandersetzung mit den verschiedenen Rollen der Frau in der Gesellschaft führte über die Werkgruppen der Altäre, Monster und Bräute bald zu den ersten Nanas aus Wolle und Textilien, die Niki de Saint Phalle um 1964/65 schuf. Als pralle Phänotypen selbstbewusster Weiblichkeit traten kurz darauf die bunten, in Polyester gegossenen Nanas ihren Siegeszug um die Welt an. 1960 lernt Niki de Saint Phalle den kongenialen Künstler Jean Tinguely kennen, mit dem sie eine große Liebe und auch tiefe künstlerische Auseinandersetzung bis zu dessen Tod 1991 verbindet. Im Lauf der siebziger Jahre entstanden dann neue Reihen – die Großen Köpfe, die Paare, die Alles verschlingenden Mütter, zwei Filme, ein Theaterstück, schließlich die Skinnies – Transparentplastiken, die sich auch in ihrem Tarotgarten in der Südtoskana wieder finden. Ende der siebziger Jahre begann sie mit diesem größten, umfassendsten Projekt. 1996 wurde der Garten erstmals für das Publikum geöffnet. 1994 zog sie auf ärztlichen Rat in milderes Klima, nach Kalifornien. Ihre Gesundheit, durch die gefährlichen Polyesterdämpfe über viele Jahre geschädigt, stand auf dem Spiel. Acht Jahre später, am 22. Mai 2002, starb sie dort an einem Lungenemphysem.
 

FIAND, Kristina:

 
KRISTINA FIAND - Edekafrauen oder: Mutter Gepetto

 
Es gibt Dinge, die liebt man einfach. Man schaut sie an, und sie treffen voll ins Herz. Dieses Phänomen gibt es auch in der Kunst - bei mir gibt es so etwas, geschehen beim ersten Kontakt mit den Edekafrauen von Kristina Fiand, viele Jahre her.

Damals waren sie noch nicht so ausgefeilt, detailliert, eher archetypisch. Die Augen wie zwei Knöpflein, die Gesichtsflächen recht glatt und undifferenziert, aber bereits so, dass man sie sofort ins Herz  - die Kraft der zwei Herzen - schließen musste. Dazu diese tolle Geschichte:

Das Dorf im Knüll, in dem die Künstlerin Kristina Fiand lebt, hatte, als sie mit der Bildhauerei begann, noch einen blaugelben Edeka. Wie schön (... und inzwischen gar nicht mehr selbstverständlich). Er ist Austauschort dörflicher Kommunikation, Ziel der Kinder für ein sommerliches Eis, aber auch "erste Hilfe“ - Anlaufplatz, wenn das Backpulver für den Kuchen aus ist, die örtliche Zeitung zudem, denn man erfährt, wer nächtens gestorben ist, entbunden hat. Auch von den Eheproblemen der Familie Meyer weiß man zu berichten.

Die Frauen mit ihren unterschiedlichen Outfits, Frisuren und Gesichtsausdrücken haben die Künstlerin Kristina Fiand zutiefst gereizt, genauer hinzusehen. Kein Voyeurismus, vielmehr die Symbiose aus Lust am Unterschied und der Gemeinsamkeit ließ das Projekt "100 Edekafrauen“ entstehen. Mit klassischen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet Kristina Fiand das Lindenholz, schließt natürliche "Hindernisse“ wie Äste und Risse mit ein und gibt jeder einzelnen Figur ein unverwechselbares Kolorit. Jede ein Unikat, mit eigenem Charakter. Die Zahl Hundert war schnell erreicht, aber der dörfliche Fundus, der an eine  Theaterbühne erinnern mag, noch lange nicht erschöpft.

Und darin liegt wohl der große Erfolg der Damen, die nun die Marke der 500  überschritten haben. In der Begrenzung auf einen Lindenblock, zwei Beine, die diesem Sockel fußlos erwachsen, zelebriert Fiand nicht endlos einen Stereotyp, wandelt vielmehr mit grenzenloser Phantasie, mit glucksender Freude an Formen, Farben, Details und Accessoires an fünfzig Höhenzentimetern Holz ein Thema immer wieder mit größter bildhauerischer Lust so ab, dass es nie spröde, nie langweilig wird. Dabei glänzt sie mit großartigen Kenntnissen in  Anatomie und Griffen in die kunsthistorische Kiste mit Momenten wie Stand- und Spielbein, ferner mit Zitaten in die reiche Welt der Werbung, des Productplacements, der Symbole, Piktogramme oder der Vielfalt von Werbelogos. Das Salz in der künstlerischen Finessesuppe Fiands - und dafür liebe ich diese hölzernen Unlebewesen besonders - ist die Ausgereiftheit der Gesichter. Mimik schlägt Gestik, die zwar auch besticht, bei weitem, und es ist die blanke Freude, so einer Gruppe "Edekas“ ins Antlitz (und anders kann man das zwischenzeitlich gar nicht nennen) zu sehen. Mit wenigen, dann wieder vielen Schnitten in die weiche Linde haucht Fiand ihren Damen Authentizität ein, so, als sollten sie - pinocchiogleich - zum Leben erwachen und losstapfen, wären sie nicht mit diesem vermaledeiten Holzblock verwachsen. Die Protagonistinnen des dörflichen Einkaufseldorados schmollen, lächeln, verführen, platzen vor Wut, sind in sich gekehrt, kaufsüchtig, realistisch, sehr realistisch, lebensfroh hie und -müde dort, sie sind voller Energie und erschöpft am Ende der Gruppe. Nix, was es nicht gäbe. Fast stadtgleich. Und das alles durch die Macht Fiands, unterschiedlich zu schöpfen - in diesem Fall mit dem Schnitzmesser Leben zu verteilen, ebenso unterschiedlich, wie wir als Menschen sind. Ein Schema, das nie schematisch ist, das die Künstlerin so liebevoll abarbeitet, dass es nie  Schwere transportiert, sondern die Leichtigkeit und Freude, die die Künstlerin vom ersten Blick auf den Laden bis zur letzten Schnitzbewegung und der "Schlussfirnis" beim Schminken der kleinen Kostbarkeit hinüberrettet.

Die Entwicklung von den ersten Knopfaugendamen mit winzigen Mündchen, (von denen ich, neben den vielen anderen, auch noch zwei in meiner Sammlung halte: Auch Galeristen sind nur Menschen, die der Versuchung nicht widerstehen können) zu den aktuellen Skulpturen zeigt die Könnerschaft, die Professionalität, mit der die Künstlerin ihre Beobachtungen im Werkstoff Holz festzuhalten vermag. Nicht nur die Kurse, die sie selber hält, sondern auch die, die sie nimmt, geben ihr die Sicherheit, Portraitaufträge anzunehmen, wohl wissend, dass der abgegebene Auftrag mit großer Zufriedenheit vom Portraitierten angenommen wird.

Bei all den hunderten "Edekas“ sind es  - neben den abweichenden Figuren wie dem Kind, das die Tüte behütet, dem Berner Sennenhund, der Dame im Rollstuhl oder der Älteren in Schwälmer Tracht (ganz im Stilbruch mit der Adidastüte) - gerade die "normalen" Frauen, die in ihrer Schlichtheit, die aber dennoch so individuell ist, unser Herz zu öffnen vermögen. Denn sie schaffen auch Platz für Assoziationen:  "Schau mal, die sieht aus wie Tante Erna" oder "Die guckt wie Oma"! Lachen und Freude darf Kunst zuweilen auch schenken. Hier gibt es immer etwas Neues zu entdecken, zu staunen. So ist das Projekt "100 Edekafrauen“, das jetzt nur noch "Edekafrauen“ heißt, zu einem großen Erfolg geworden: Alle bisher gezeigten, so liebenswerten Skulpturen  haben ein neues Zuhause, fernab vom Edeka und Atelier, gefunden. Die, die Sie hier sehen, sind nur kurz zu haben, dann sind sie verschwunden. Verstehen kann man''''''''''''''''s!

Michael Marius Marks

  PROJEKT "MENSCHENSKINDER"


Der Film "Darwins Alptraum" von Hubert Sauper war ideenprägend für dieses Projekt. Das Schicksal der Fischerkinder in Tansania, die von ihren Familien verlassen werden, sich alleine durchschlagen müssen und ihre harte Realität im Drogenrausch vergessen, hinterlässt einem als Europäer einen bitteren Nachgeschmack und ein schlechtes Gewissen, das sich nicht ganz so schnell verdrängen lässt wie die Anfragen von Hilfsinitiativen, die regelmäßig in meinem Briefkasten landen.
Kinder als schwächstes Glied einer Gesellschaft leiden unmittelbar an den Folgen des Klimawandels, Umweltproblemen, politischen und religiösen Missständen, ohne sie selbst verursacht zu haben.??
Als Quelle für die ersten Bildvorlagen dienten das Internet und Bücher. Inzwischen ergeben sich auch konkrete Verknüpfungen zu realen Projekten, die wir gerne unterstützen möchten. 200 Euro jeder verkauften Tafel fließen als Spende auf das Konto einer Hilfsorganisation, die auf der Rückseite der Arbeit vermerkt ist.

 

PROJEKT „EDEKAFRAUEN“ 2008


Das Dorf im Knüll, in dem die Künstlerin Kristina Fiand mit ihrem Ehemann Ernst Gross lebt, hatte noch bis vor Kurzem einen blaugelben Edeka. Er war Austauschort dörflicher Kommunikation, Ziel der Kinder für ein sommerliches Eis, aber auch "erste Hilfe" - Anlaufplatz, wenn das Backpulver für den Kuchen aus ist. Die örtliche Zeitung zudem, denn man erfährt, wer nächtens gestorben ist, entbunden hat. Auch von den Eheproblemen der Familie Meyer weiß man zu berichten. Die Frauen mit ihren unterschiedlichen Outfits, Frisuren und Gesichtsausdrücken haben die Künstlerin zutiefst gereizt, genauer hinzusehen. Kein Voyeurismus, vielmehr die Lust am Unterschied und der Gemeinsamkeit ließ das Projekt mit zunächst 100 Edekafrauen entstehen. Mit klassischen Bildhauerwerkzeugen bearbeitet sie das Lindenholz, schließt natürliche "Hindernisse" wie Äste und Risse mit ein und gibt jeder einzelnen Figur ein unverwechselbares Kolorit. Jedes der mittlerweile über 400 (s. o. 500) Unikate an der Zahl hat seinen (?) eigenen Charakter! So ist das Projekt zu einem großen Erfolg geworden. Vorsicht: Ähnlichkeiten mit realen Personen sind beabsichtigt!
Konsequent entwickelt Kristina Fiand ihre Idee Portrait - wie schon durch die Skulpturen der Edeka- frauen bekannt - weiter. In enger Zusammenarbeit mit ihrem Mann, dem Bildhauer Ernst Gross, entstanden nun die Männer, die es geschafft haben: "Fein Raus" heißen sie. Sie tragen zum Teil, wie als Beweis, die feinen Anzüge, stellvertretend für ein Business, mithilfe dessen sie so erfolgreich wurden, dass sie sich ein Haus, ein Boot, ein … auf Mallorca leisten konnten. Zum Teil sind sie auch schon lässiger gekleidet und halten Attribute ihres Schaffens, ihres Strebens in den Armen.

Finissage:

Siehe: Vernissage

Galerist:

Der Galerist ist im reduzierten Sinne die Person, die Ihnen ein Bild verkauft.

Aber zum Portfolio des Berufes gehört noch viel mehr. Geschmack, Stilsicherheit, eine möglichst kunsthistorische Ausbildung in diesem Genre sind Grundvorraussetzung, um diesen Beruf auszuüben.

Folgender Text beschreibt es vielleicht besser:

 "Credo"

sie glauben ihrem arzt
sie glauben ihrem rechtsanwalt,
ihrem steuerberater,
ihrem statiker
mir glauben sie nix.

ich kann nicht segeln,
ich kann keinen computer bedienen, keinen videorecorder programmieren,
nie könnte ich mode verkaufen oder autos, weil ich sie betrügen müßte, dinge erzählen, die nicht stimmen.

und weil ich nicht das selbe machen kann und will, was ganz viele machen, wollen und haben,
kein dummes, inhaltsleeres produkt verkaufen will. nie. es sei denn eine not zwänge mich dazu.
wissen sie wie oft ich in zwanzig jahren galeriedasein gefragt wurde, was wirklich gute kunst ist? Noch nie. Verrückt, oder?

ich kann kunst verkaufen,
ich kann sehen, wenn etwas gut ist, seele hat, einmalig ist. was sensibles hat.

weil ich kunst liebe, kunst atme, kunst bin

weil kunst ein teil meines lebens ist, ganz persönlich und ganz allgemein, aber immer kunst. ein großer teil.
der größte nach meinen söhnen, meinem glauben. und teil dessen.

weil künstler dinge ansprechen, die die anderen unter den tisch fallen lassen.oder sogar verleugnen. wie die politik.


sie, die künstler sagen und zeigen es, weil das gesagt und getan werden muß, weil die sensiblen andockstellen sonst veröden, weil man abstumpft, weil man
hilfe braucht die bremse zu ziehen in unserer rasenden zeit, inseln, oasen, enklaven, paläste.
nicht die des reichtums, des raffens, sondern die der kontemplation, der ruhe der sammlung.
gold und diamanten als gefühl.

plätze der gänsehaut, des göttlichen, durchbrüche des himmlischen lichtes im regenschauer.

ich weiß, warum sie mir nicht glauben, mißtrauen.
weil kunst ein gefährliches pflaster ist. viele scharlatene unterwegs. der grat zwischen ernst und kitsch nah.
weil jeder einen kennt der mal so malt und die kriterien nirgendwo paragafiert.
weil jeder den beitrag mit den malenden affen gesehen oder davon gehört hat.
und dem professor, ders gut fand.

und wissen sie was?
ich kann sie verstehen. werde auch nicht gerne auf den arm genommen. grauenhaft.
aber ich will ehrlich sein. ganz ehrlich sein. wie die kunst.
die, die nicht auf den arm nicht. die mit dem van gogh''''''''''''''''schen ohr. abgeschnitten, blutig. aber echt und purpur ehrlich.
fragen sie mich, ich gebe ehrliche antwort, vernab des konsums. hand aufs herz. weil es eine ebensolche angelegenheit ist.
wahre kunst - ich schwöre es bei allem was mir heilg ist- begleitet uns, nimmt mit auf eine reise in die tiefen der wirklichkeit.

die wahren künstler sind die wirklichen zauberer und magiere unserer zeit. die letzte, die blieben.
verzichten, weil sie wissen, daß es etwas gibt, was wichtiger ist, als geld und ruhm. leben einen traum, einen weg.
wissen oft nicht, wie sie das atelier bezahlen sollen. ihr essen. und machen dennoch weiter, gehen ihren weg.
wissen sie, was ich für solche menschen empfinde? große liebe, neben grenzenlosem respekt.
 
warum ich ihnen das alles erzähle? nicht, weil ich mir ihren außenstehenden blick auf meinen beruf wünsche, aber einen millimeter spalt einblick geben will in das leben eines solch außergewöhnlichen menschen.
aussterbende gattung künstler.

und natürlich hätte ich gerne auch etwas vertrauen. ein paar prozente würden mir glatt reichen

Michael Marius Marks

Götze, Moritz:

Moritz Götze - Komponist

Optisch in eine Bildwelt Moritz Götzes einzudringen, heißt einen neuen Kosmos zu entdecken. Man begegnet dort Parallelwelten, die die diesseitige Welt darzustellen, paraphrasieren oder zu interpretieren zu scheinen. Letztendlich aber wird der Künstler zum Schöpfer einer eigenen Realität, mit eigenen Gesetzen und Wahrheiten.
Kunst schaffen heißt schlussendlich immer einen Status Quo zu analysieren, interpretieren und in der Darstellung auf einen subjektiven Nenner zu bringen. Bei dem 1964 geborenen Götze hat diese Schlussessenz allerdings die Kraft einer völlig eigenen Bildgattungsidentität gewonnen, die ihn und sein Oevre so markant, wiedererkennbar und sammelwürdig machen.
Es ist, als ob man zufällig auf ein Loch in der Atmosphäre stieße und beim Hineinschauen Zeuge einer bereits ablaufenden Geschichte würde.
Diese Geschichte hat -egal, wann ich schaue- immer begonnen und an dem Punkt, in dem ich als Betrachter hinzustoße, ist meine individuelle Einschätzung der Situation gefragt, die für den Ausgang dieser wunderbaren Story immer nebensächlich ist. So werde ich Zeuge einer wahren Flut an Dingen, Menschen und Ornamenten, die der Künstler heldenhaft jonglierend herumwirbelt und als Garn zum Stricken seiner Geschichten nutzt. Reich an Accessoires, Zitaten und Materialcollagen bedient sich Götze -wie einem Selbstbedienungsladen der Kunst- frei an allem, was zugänglich ist. Wie Picasso, der seinen "objekt trouves" Dinge nahm, betrachtete und zu Kunst umfunktionierte,  zelebriert Götze dieses Durcheinander an Farben, Formen, Materialien, aber auf seine ganz eigene, typische Art und bringt Dinge zusammen, deren Schnittmenge zuvor jeder andere bestritten hätte. Seine Protagonisten sind immer aus einem Strich, markante Wesen, die heldenhaft, meist schweigend durch die Farbmeere und Formberge schreiten, agieren oder einfach nur beobachten.
Auch Worte, Schriftzeichen adoptiert er in seine Bildfamilien hinein, oft das Geschehen erklärend, manchmal fragend. Häufig aber nur zu einer Feststellung dienend.  Eine frühe Emaille, die ich erwarb, zeigt ein Bild auf einer Palette inmitten des goldenen Schnittes mit der Aufschrift: "Schön". Sicher ist der Arbeit mehr an Interpretation und Inhalt zuzuweisen. Vielleicht ist aber "schön" auch einfach ausreichend. Schön.
Einmal Jäger und Sammler, knöpft sich der Künstler auch unverholen in seiner Motivwahl Kunsthistorisches, wie Kulturgeschichtliches vor. So, dass es eine Freude ist. Die Dame im modernen Kleid als crossover mit dem Rokoko konfrontiert, ist sicherlich charmanter als ein Luftduell verschiedener Kampfflugzeuge im Rokokohimmel, aber mindest ebenso spannend. Beim Abschuss einer Maschine in der Tragik vielleicht noch fesselnder.
Hoch leben die Künstler, die wider aller Erwartung das tun, was sie wollen, nicht, was von Ihnen erwartet wird.  Der horror vacui in der Darstellung A wird bei Götze lange nicht zur Tradition und somit Langweile in Bild B. Weil es sich eben um ein ganz anderes Bild handelt. Und warum soll ein Emailleschild ausschliesslich der Werbung dienen, wenn es sich bestens als Malgrund eignet und in der Steigerung dieser künstlerischen Konsequenz sogar noch als fiktives Werbebanner zwischen Hommage und Persiflage zu einem eigenen Genre wird. Ich wünschte mir mehr solcher Künstler, die kreiieren, schaffen, schöpfen. Mit Mut, Geist und Kreativität, Schranken von Verhaltensregeln niederreißend, die vielleicht für uns Normalmenschen gelten mögen. Nie aber für Künstler
 
mmm

Gouache:

Die Gouache ist die Technik bei der der Künstler mit deckenden Wasserfarben, die mit harzigem Binder und weißen Füllstoffen vermischt werden, auf das Papier malt.

Besonders schöne Gouachen findet man von Klaus Fußmann

Janosch:

Vom Glück Herrn Janosch zu begegnen

 

Auf die Frage, ob ich meinen Beruf liebe, gerate ich immer sofort ins schwärmen. Sind es doch so schöne, kreative und außergewöhnliche Begleitumstände, die meine Tätigkeit, die Hobby, Liebe, Berufung und Leidenschaft ist, ausmachen. Die Beschäftigung mit der Kunst, eine der schönsten Befindlichkeiten, da tiefgründig, vielfältig, auf den Punkt gedacht und schlussendlich sich auf die Essenz des Lebens konzentrierend, ist das spannendste, was ich mir für die Tätigkeit meines Lebens vorstellen kann. Ich möchte mit niemanden tauschen.

 

Ferner ist ein weiterer Glücksfall, dass ich jeder Menge interessanter Menschen und ihrer Umgebung begegne. Sowohl dem Sammler und besonders spannend ist es , wenn ich ihn zu Hause begegnen darf, zwischen seinen Trophäen, als auch dem Künstler. Bestenfalls an seinem Tatort, dem Atelier.

 

Auch wenn ich es für eine unabdingbare Vorraussetzung eines jeden Galeristen halte, junge und unbekannte Künstler zu fördern (und die Arbeit in der Frankfurter Galerie wagner+marks ist knisternd.  Die Gedankenwelt, der jungen Akademieabsolventen oft wie eine erfrischende Dusche für den Geist), ist gerade der Kontakt mit den "Großen" unserer Zeit immer wieder faszinierend. Das Argument "Das sind auch nur Menschen" (und viele unter den großen Namen verhalten sich auch dementsprechend) ist selbstredend auf der einen Seite wahr, dennoch ist es immer wieder ein erhabenes Gefühl einer solchen Begegnung. Ich vergleiche es gerne mit einem Beispiel aus der Kunst. Es ist ein Unterschied, ob man eine Grafik in einer hohen Auflage vor sich hat, oder ein Unikat, wie beispielsweise einem Gemälde. Dieses gibt es nur einmal und der Künstler hat seine Gedanken, seine Fantasie und seine Zeit aufgebracht um es zu schaffen. Für mich, der ich es erworben habe und es nun in den Händen halte. Das, wovon ich spreche ist die Aura. Etwas besonderes, geheimnisvolles und einzigartiges, was das angesprochene umgibt. Das Kunstwerk, als auch den Künstler.


 

Ob es sich um Elvira Bach, Bruno Bruni, Klaus Fußmann, Günter Grass, Ottmar Hörl oder Günther Uecker handelt. Diesen Menschen in meiner Zeit als Galerist zu begegnen hatte für mich immer etwas besonderes, magisches. Denn diese Künstler hatten etwas Großes bewegt. In der Kunst. Und damit auch etwas in mir. Ganz genauso geht es mir da mit Herrn Janosch (ja, so wird er angesprochen).

Natürlich haben seine Figuren meine Kindheit begleitet, ist die Tigerente ein feststehender  Begriff, wie Pippi Langstrumpf oder ..... Wenn man Janosch aber darauf reduzieren würde, würde man gleichwohl auch seine kreative Größe reduzieren. Es ist nicht die großartige Leistung von Herrn Janosch die Tigerente zu erschaffen, sondern sie als ein Teil  eines unglaublichen Oevre zu sehen. Er ist nicht allein Geschichten- und Figurenerfinder (nur wenige Künstler zeichnen und schreiben), nein er ist Pädagoge (schon mal die Geschichten von Papa Löwe gelesen ?) und Autor von Geschichten für Große. Er schreibt nicht allein für die Kinder. Für alle hält er etwas bereit. Dabei hält er nicht vor den Berg, nimmt kein Blatt vor den Mund. Muss er auch nicht. Er ist Herr Janosch. Neben seinem Augenzwinkern, seiner schönen, da melodiösen Ironie zeigt er auch seine Wut, seinen Eros, sein "Halt nur bis hier hin" und seine Philosophie des Lebens. Die ist nicht "Friede, Freude, Eierkuchen“, sondern auch manchmal unbequem. Wie das Leben eben auch. Basta. So mag man ihn oder lehne ihn ab. Ich liebe ihn und sein Werk gerade dafür. Für seine gnadenlose Kompromisslosigkeit.

Eine weitere Möglichkeit mit ihm umzugehen ist, ihn auf den Papa der Tigerente zu reduzieren. Leider eine arme.

 

Als ich Herrn Janosch vor zwei Jahren das erste mal begegnete, war ich erst einmal über seine körperliche Größe erstaunt. Ich hatte ihn mir immer kleiner vorgestellt. Sein verschmitztes Lächeln, mochte ich gleich, seinen Händedruck. Seine Art zu reden. Sicher auch die Aura. Die Geschichte(n) um diesen großen Mann... Nicht zuletzt wie er mit den Menschen umging, die ihn um eine Widmung baten, ihn anstrahlten.

In das Gästebuch der Galerie schrieb er neben seine Zeichnung von Günther Kastenfrosch:" Herr Janosch war hier + das war auch endlich nötig." Recht hat er.

 

Michael M. Marks


 

Janssen, Horst:

Horst Janssens Werk ist in seiner zeichnerischen Genialität -der virtuosen Stimmigkeit der Linie- unübertroffen.
Dies ist und war seit jeher unumstößliche Realität, wobei sich an der Person Janssens selbst die Geister scheiden. Sicher ist ferner, daß gerade die Persönlichkeit dieses in der Kunstgeschichte einmaligen Malers und Grafikers einen selten großen Einfluß auf das Oevre des Meisters hatte, schließlich fanden sich in skizzenhaften Darstellungen,wie den z.T. intensiv genauen Portraits in Grafik, wie dem Unikat sein Leben wieder, seine Freunde, Familie und nicht zuletzt die zahlreichen Frauen, denen er ganze Zyklen widmete.
Mit seiner ganzen Kraft, seinem ganzen Sein und seiner ganzen künstlerischen Großartigkeit, widmete sich Janssen dem gerade dazustellenden Sujet und verlieh im neben einer großen naturalistischen Wiedererkennung, Tiefe, Psyche und höchstmögliche Individualität. Es ist, als ob man durch das Linarmuster der Darstellung tief in die abgebildete Person einzudringen vermag und sich wie in einem dreidimensionalen Körper umschauen kann.
Scharfsinnig, intim, kraftvoll, genial, voller Verletzlich-, Ehrlichkeit und Offenheit sind seine Themen, die er bis ins Detaille zelebriert, wie ein Chirurg seziert, wie ein Wissenschaftler mikroskopiert und einem Zauberer gleich mit Leben einhaucht und auf den Bildträger bannt. Als gäbe es nur diese eine Art darzustellen. Kein Thema wird zum Tabu.
Im Gegenteil, der Tod, der Eros und die Liebe treiben hie und da ein böses und gleichsam lustvolles Spiel miteinander. Diese  "menage a trois" wird zum Sinnbild des Lebens, indem sich Bereiche dessen verbinden und in gnadenloser Detailleverliebtheit verschmelzen.
Ebenfalls in der Selbstreflektion, der scheinbar schier endlosen Abfolge Janssen''''''''scher Selbstportraits, geht er bis an Grenzen, z.T. darüber hinaus. Gibt völlig indiskret Selbstauskunft, tiefer als eigenes Leiden, reflektiv. Wundmale mit dennoch geradem Blick. Aug in Aug mit dem Betrachter hält er dem Kontakt  stand, stellt er sich:
Ich bin Janssen.
Wer in der Reihung großer Portraitmaler Janssen nicht aufzählt, hat Kunstgeschichte nicht verstanden.
All dies sind Argumente warum das Werk Horst Janssens weltweit ausgestellt wurde, USA, Japan, Skandinavien, die Stationen bedürfen einer langen Liste.
Und warum er für einen Künstler recht früh zu Bekanntheit gelangte,denn  bereits 1947- ein Jahr nach Studienbeginn- publizierte "Die Zeit" eine Abbildung von ihm. 
Ein eigenes Museum steht in Oldenburg. Dort ist Ehrenbürger. Eine Professur wollte er hingegen nie antreten.Warum auch immer
Michael Marius Marks
 


 

Kühn, Volker:

Die Objektkästen von Volker Kühn

Volker Kühn, Jahrgang 1948, arbeitet seit Mitte der 80er Jahre an seiner für ihn heute so charakteristischen Objektkunst. Inzwischen hat er mit seinen Kästen so viele Ausstellungen bestritten und ist so berühmt, daß er vielfach nachgeahmt und imitiert wird.

Volker Kühns Miniaturen zeigen das Leben selbst in all seinen Facetten. Die vielfältigen Beziehungskisten, denen der Mensch täglich begegnet und in die er sich verstrickt, freiwillig begibt, denen er entrinnen möchte und es oft nicht kann. Es sind Situationen, mit denen wir uns alle identifizieren können.

Die Kunst der Objekte Volker Kühns liegt darin, den Betrachter aus der Reserve zu locken. Das spontane Erkennen, Lächeln und Schmunzeln verwandelt sich bald in Nachdenklichkeit: Wie ist es möglich, mit so knappen Mitteln solche grotesken Situationen, so treffsicher darzustellen?

Eine sensible Beobachtungsgabe, viel Humor und die Liebe zum Detail lassen den Künstler 1000 Dinge zu kleinen Geschichten transformieren, die sich in seiner Objektkunst komprimieren. Aus Fundstücken - Volker Kühn ist ein leidenschaftlicher Sammler - Holz und Farbe setzt er mit Hammer und Nägeln seine Ideen in die kleine Bühne des Lebens um. Mit einer fast pedantischen Liebe zum Detail und zur Präzision kreiert er seine Miniaturwelten, die in kleinen Kästen eingeschlossen mit Passepartout und Rahmen versehen zu Bildern werden.

Volker Kühn lässt in seiner Darstellung nahezu keinen Bereich aus: Die Beziehung zwischen Mann und Frau, das Berufsleben, der Alltag, Sport und Hobby, der Kunst und seinen Lieblingskünstlern hat er eine ganze Serie und ein Buch gewidmet.

Machen Sie einen Bummel durch die Galerie am Dom und lassen Sie sich von Volker Kühns Objektkastenwelt, die gleichsam zum Schmunzeln und Nachdenken anregt, verzaubern!


 

 

Kunstkaufhaus Ost:

siehe Petersen, Jan

Linolschnitt:

Auf die Linolplatte wird seitenverkehrt das Motiv vom Künstler aufgezeichnet. Ähnlich einem Stempel bleibt das Bildmotiv stehen, während die Teile die nicht gedruckt werden sollen mit einem Schneidemesser entfernt werden. Nachdem die Farbe auf den Druckstock aufgetragen wurde, legt der Künstler ein Büttenpapier darauf und zieht dieses durch die Presse. So erscheint das Motiv positiv auf dem Papier.

Besonders ausdrucksstarke Linolschnitte finden Sie von Klaus Fußmann

Lithografie:

Die Lithografie ist ein Flachdruckverfahren, bei dem der Künstler mit Tusche oder Kreide das Motiv seitenverkehrt auf einen Druckstein aufmalt. In Kombination mit Farbe werden die Bildstellen fettanziehend und wasserabstoßend, während die freien Flächen durch Säurebehandlung umgekehrt wasseraufnahmefähig und fettabstoßend werden. Beim Farbauftrag im Druckvorgang wird der Stein naß gehalten, so daß die Farbe nur an Bildstellen haftet. Original Druckgrafik: Eine original Druckgrafik erfüllt folgende Kriterien:

Besonders ausdrucksstarke Lithografien findet man von Horst Antes , Elvira Bach, Bruno Bruni, Günther Grass, Markus Lüpertz, Heinz Mack, Armin Mueller Stahl, Niki de Saint Phalle, Günther Uecker, Paul Wunderlich

Luczak, Holger:

Deutscher Fotograf, der mit der Serie "meeting places" ein neues System in der Fotografie entwickelt hat.Dem präzisen und gleichzeitig geheimnisvollen Oevre Luczaks geht eine lange und intensive Beschäftigung vorraus. Der Betrachter, der in seiner Sehgewohnheit meist eher flüchtig dem Werk begegnet, spürt die Irritation der Arbeit.Eine Person, ein Tier in seiner Begegnung mehrmals im Bild auftauchend wirft Rätsel auf und macht fragend, wie neugierig. Zudem wird auf fast poetische Weise der Backround des Künstlers fürwahr: Im Foto der Fotograf, in der bildnerischen Erzählung innerhalb des Bildes wandernder Protagonisten Luczak als Kameramann. mmm


Kurzvita: Geboren 1945 Nach Beendigung der Schule Ausbildung zum Industrie- und Architekturfotografen und anschließend Werbe- und Architekturfotograf – parallel zeitweise Gaststudent bei Prof. Otto Steinert / Folkwangschule Essen. Nach acht Jahren Hinwendung zum Film und später zum Fernsehen. Hier zunächst Kameramann, dann in der Drehbuchentwicklung und Produktion tätig. Nach 23 Jahren Film/Fernsehen, die letzten 10 Jahre als Producer / Produzent erfolgte eine radikale Neuorientierung als Landwirt und Pferdezüchter. Die Farm habe ich vor 3 Jahren verkauft und beschäftige mich seitdem wieder mit freien fotografischen Projekten. Lebe und arbeite in Düsseldorf Ausstellungen 2004 Einzelausstellung Casa de la Cultura Lanzarote 2005 Gruppenausstellung Grosse Kunstausstellung NRW Düsseldorf 2006 Gruppenausstellung Galerie Löhrl Mönchengladbach 2006 Gruppenausstellung Galerie Neuerburg Düsseldorf Beschreibung des derzeitigen künstl. Arbeitsvorhabens Untersuchung der unterschiedlichen Topografien und der dort anzutreffenden Bewegungs- und Verhaltensmuster von Individuen in den vorhandenen oder gestalteten Strukturen.

Sehen Sie sich bitte auch den Film auf youtube an:

http://www.youtube.com/watch?v=rSAK5ET2Cko

 

Original:

Der Begriff "Original" wird fälschlicherweise oft mit dem des "Unikates" verwechselt. Original bezeichnet in der Sprache der Kunst all das, was aus Künstlerhand entsteht und von diesem signiert. ist.  Der Verständlichkeit halber kann man bei einem limitierten Objekt zu der Originalbezeichnung noch die Technik hinzufügen, z.B. Originalgrafik. Somit bezieht sich der Begriff Original auf den Ursprung des Objektes, nicht aber auf einen unikatären Charakter.

Siehe auch: Unikat

mmm

Passepartout:

Ein Passepartout ist eine aus einem Karton geschnittene Umrahmung, um das zu rahmende Bild vor der Berührung des Glases zu schützen und einen guten optischen Gesamteindruck zu schaffen. Unsere Passepartouts sind alle in Museumsqualität, d. h. sie verändern weder ihre Farbe noch durch einen Säureanteil das gerahmte Kunstwerk.

Pastell:

abgeleitet wird der Begriff aus dem italienischen Sprachgebrauch und bedeutet so viel wie Farbteig. Das kommt der Realität sehr nah, denn die Pastellkreiden, die die Maerei erst ermöglichen sind aus einem solchen hergestellt. Daraus resultiert, daß diese leicht brechen und der Umgang mit damit sehr vorsichtig zu geschehen hat, wobei ich eine ganze Reihe Künstler kennengelernt habe, die gerade mit dem scharfkantigen Bruch gerne gearbeitet haben.

Eine ebenso vorsichtige Behandlung bedarf es beim fertigen Pastell, da die Pigmente nur leicht auf dem Papier haften. So ist es ratsam ein eigens dafür produziertes Pastellpapier zu verwenden, welches eine samtige Oberfläche hat. Diese sind oftmals in verschiedener Farbigkeit erhältlich, sodaß diese in die Gesamtfarbkomposition durch freilassen von Flächen bestens miteinbezogen werden können. Auch bei der Rahmung eines solch fragilen Unikates ist die Verwendung von schützendem Glas ratsam

Ein weiteres Charakteristika sind die weichen, fliessenden Farbübergänge, die dann möglich werden, wenn die zarten, staubigen Pigmente mit einem sauberen Pinsel oder dem Finger vorsichtig ineinandergerieben werden. Da mit Kreiden gezeichnet wird, der Farbauftrag aber mit Pinsel malerisch ist, ist das Pastell inhaltlich eine Mischform beider Techniken.

Besonders ausdrucksstarke Aquarelle findet man z.B. von Heinz Mack

mmm

Petersen, Jan:

Damit eines gleich klar ist: Dieser Petersen ist rotzfrech.

Nicht als Person, vielmehr als Künstler. Nimmt kein Blatt vor den Mund. Zitiert, frözelt, nimmt mal hie, dann mal dort, bemüht die(Kunst) Geschichte, formuliert sie um.
Ganz dreist und ungeniert. Wie''''''''s ihm grad passt.
Demokratisiert in Größe und Obulus, für das, was er da in seinem kleinen, feinen Kunstkaufhaus offeriert.

Und wissen Sie was? Ich wünschte mir von viel mehr dieser Art Künstler. Hat es doch Tradition -sei es in der Literatur, als auch innerhalb der malenden Gilde- sich mahnend, auflehnend, Dinge anprangernd zu artikulieren.
Wer sonst, wenn nicht der Künstler hat das Recht besagtes Maul aufzureissen und "halt" zu schreien?
Dies -und ohne dabei vordergründig politisch zu sein- gemischt mit einer schelmischen Portion Humor, die dem Künstler so eigen ist und ihn noch liebenswerter macht (das meine ich wirklich) ist so signifikant für das Werk Petersens, daß es eine Mordsfreude bereitet hinzuschauen, stöbern, neues zu entdecken. Klar kennen kunstgeschichtsgeschulte das Objekt "Künstlerscheisse", aber daraus "Künstlerpisse" zu machen...Man, Petersen. Klasse

Das unperfekte scheint dabei mit Programm zu sein: Die Blöcke auf die der Künstler seine Botschaft bannt, sind ungehobelt und kantengeschliffen, die groben Druckbuchstaben tanzen aus Reih und Glied, wie zu den besten Zeiten Gutenbergs. Gerade so soll es sein, ist es gut, perfekte. Das Nicht-Hundertprozentige, das darauf hinweist, daß es nicht um die Hülle, sondern nur um den Inhalt geht. Oder wie es der große Nam June Paik benannte: Wenn zu perfekt, Gott böse.

Große "Liebe" (übrigens auch ein Objekt des Künstlers) steckt zudem in den Zigarettenschachtelgroßen 3-d Statements:
Ohne Herz und Verstand nix mit Sinn an der Wand (Wilhelm Busch dreht sich im Grab).

Petersen verlässt mit seiner taschenformatgroßen und taschengeldteuren Kunst den gängigen Markt.Und macht im gleichen Atemzug seinen Eigenen auf. Einen für alle. Wie es bereits Haring mit seinem Popartshop wollte. Aber er bietet nicht -wie dieser- Alltagsgegenstände, die aus der Kunst erwachsen sind feil, sondern die Kunst selbst. Kunstkaufhaus Ost. Stellt sich auf. Schaut nicht nach links und nach rechts und sieht dennoch alles.

Mit dem Wachsüberzug wird das Kunstobjekt zum Handschmeichler oder auch mal mit Magnet für den Kühlschrank zur Kunst fernrab der gängigen Wand.
"Kunst ist ein Lebensmittel" die klare Botschaft des Künstlers.So einen Petersen kann mal überall plazieren, hängen, stellen oder legen. Kreative Köpfe verschenken ihn gelegentlich, hoffen selber einen zu bekommen. Meiner begleitet mich sogar in den Urlaub. Ist mir als Stück Heimat lieber als in Spanien ein Wiener Schnitzel.

Ohne ein Ja zur Kunst mag (und kann) er nicht leben, ich auch nicht, vielleicht Sie ja auch nicht. Ein Grund mehr, etwas im Kunstkaufhaus Ost zu erwerben, ein Kaufhaus, indem es sich noch lohnt in den Regalen nach Raritäten zu stöbern.Sie werden Sie finden. Versprochen. Der Trend geht ohnehin zum Zweit-Dritt und Viertbild. Am besten die Einkaufstasche voll machen. Greifen Sie zu. wer weiß, was dieser freche Kerl morgen im Kopf hat....

Michael M. Marks


siehe auch: www.kunstkaufhausost.de

 

Radierung:

Die Radierung ist ein Tiefdruckverfahren, bei der eine polierte Kupferplatte mit säurefestem Grund beschichtet ist, in die der Künstler mit einer Nadel oder anderen festen Gegenständen ritzt. Hiernach wird die Platte in ein Säurebad gelegt, die die freigelegten Stellen noch tiefer ätzt. Nach der Reinigung der Platte trägt man die Druckfarbe so auf, diese bleibt in der Vertiefung haften. Das angefeuchtete Papier wird beim Druckvorgang in der Presse fest in die Vertiefungen gedrückt und das Motiv erscheint so seitenrichtig auf dem Blatt.

Besonders gelungene Radierungen sind erhältlich von: Horst Antes, Elvira Bach, Salvador Dali, Klaus Fußmann, Janosch, Willi Kissmer, Markus Lüpertz, Niki de Saint Phalle,Jutta Votteler, Peter Wever, Wolfgang Zelmer

Rahmen:

Rahmen bezeichnet grob die Umschreibung einer stabilen Umrandung des Bildes, die sowohl als Schutz, wie auch dem optischen Abschluß dessen dient.

In der Regel werden Holz oder Aluminium als Werkstoff dafür eingesetzt.

Unterschiede liegen vor allem in der Rahmung einer Leinwand, die entweder einen klassischen Abschluß mit einer Falzleiste erhält oder eine in der Regel idealerweise  Schattenfuge erfährt. Diese begleitet die Leinwand derart, daß diese noch in ihrer Seitenverkantung zu sehen ist, dabei aber auch Blicke freilässt auf Kammzwecken, Nägel oder Tuckernadeln, mit denen die Leinwand auf den Keilrahmen montiert wurde.

In der Rahmung von Papierarbeiten erweist sich oftmals das raumgebende Passepartout, sowie das optisch entspiegelte Glas, das unnötige Lichreflektionen vermeidet als ideal.

Beschaffenheit, Farbe, wie Breite des Rahmens richten sich nach dem vorgegebenen Kunstwerk und sollen dieses bestmöglich zur Wirkung bringen ohne mit diesem an Kraft und Aussage zu konkurrieren.

Gerne berät Sie unser sehr fachkundiges Team zum Thema Rahmung, die i.d.R. auf jedes Bild individuell ab,zustimmen ist. Der anschliessende Rahmungsvorgang selbst, wird dann in unsere hauseigenen Fachwerkstatt vorgenommen.

Wir freuen uns Sie beraten zu dürfen. Persönlich in unseren Räumen, als auch virtuell

MMM

 

Rizzi, James:


JAMES RIZZI ODER: HOMMAGE AN EINEN FARBENMAGIER


Um eines vorab zu sagen: Über James Rizzi zu schreiben macht ebenso großen Spass, wie seine Bilder zu betrachten.
 
Seit über 17 Jahren begleitet uns der Künstler oder wir ihn, sein Werk. Mit Freude, großer Freude. Es ist spannend und fesselnd zugleich, die Entwicklung in seinem Werk zu sehen.
 
Damals, als ihn fast noch niemand kannte - und nur wenige zur ersten Ausstellung kamen - mit der ersten, bewusst krakeliger Handschrift bis hin zur heutigen konstanten Linie.
 
Seine Protagonisten haben seither Wiedererkennungswert: die Vögel, die Ufos, die Sonne und last but not least die Menschen, die die farbigen Bilder der Rizziwelt bevölkern. Im Schmelztiegel New York sind sie zum Symbol der Menschen dieser Welt geworden und stellen einen repräsentativen Ausschnitt der Big-Apple-Stadt dar. Alle Kontinente verdichten sich in dieser großartigen Stadt und die Welt wird an einem einzigen Platz möglich. Wie auch besonders auf einem Werk Rizzis zu erkennen, auf dem der Eiffelturm direkt neben den Pyramiden von Gizeh steht, die selbst wiederum benachbart der Freiheitsstatue sind.
 
 
James selbst ist mit irisch-italienischen Vorfahren ein Kind dieser Stadt und mit diesen Wurzeln Zeugnis deren Internationalität und Farbenvielfalt.
 
So bunt wie die Welt ist das Werk Rizzis und umgekehrt. All die Nachrichten, die Negatives verbreiten, Schrecken, Kriege, Naturkatastrophen, sind vergessen für den Moment der Bildbetrachtung. Rizzi ist internationaler Botschafter der Freude. Sein Konsulat ist das Atelier, seine Friedenssoldaten sind Pinsel und Farbtuben.
 
Seine Friedens- und Freuden-Argumente heißen endlose Kreativität, eine schier unbegrenzte Farbigkeit und immerwährende Freude am Malen. Sein Diplomatenstatus erlaubt direkten Zugang zu unseren Herzen. 
 
Hatten Sie je das Vergnügen bei einer Rizzi-Signierstunde zugegen zu sein??  Dort sieht man seine Figuren in schnellen, aber ebenso sicheren Strichen entstehen. Perfekt in der Konzeption, großartig und eben einfach so typisch für den großen Popart-Künstler.
 
Mich erinnert es immer wieder an einen Film mit dem kongenialen Picasso, der eine Glasplatte bemalt, hinter der sich eine laufende Kamera befindet und man das Gefühl hat, er malt direkt auf die Mattscheibe des TV-Bildschirms. Der bewußte Strich, der aus dem Künstler herauszufließen scheint, in seiner Wiederekennung, in seiner Sicherheit phänomenal.
 
Ähnliche Dokumente gibt es auch von Keith Haring, der eine Kirche in Italien mit einer Wandzeichnung unglaublichen Ausmaßes bemalt und erst nach Beendigung des Malaktes 50 Meter zurücktritt und sieht: jeder Strich sitzt an seinem Platz. Voila!
 
Dies argumentiere ich auch, wenn mir jemand glaubt sagen zu müssen, er möge das Werk Rizzis nicht, weil es viel zu bunt und laut ist ( wär ja schlimm, wenn das ganze Leben so schön farbig wäre):
Sehen Sie sich diesen Strich an, die Wesen, die vermenschlichten, tanzenden Häuser, Geschichten, die er erzählt, Tag und Nacht, glücklich vereint auf einem Bildträger: alles ist typisch und einmalig. Einmalig Rizzi. James Rizzi.
 
Natürlich sollte man die Toleranz haben, daß sich nicht alle Menschen für einen Künstler begeistern können. Dabei muß aber immer die künstlerische Leistung und Einmaligkeit bestehen bleiben dürfen.Und die besitzt ein Rizzi zweifelsohne.  Selbstredend gibt es zwischenzeitlich "Künstler", die Rizzis 3-D-Technik "übernommen" haben. Aber welch armseliges Erzählvokabular, langweilig die Fassaden der dargestellten Straßen. Mensch und Tier sehen aus, als ob ich sie aufs Papier gebracht hätte. Aber reden wir hier nicht von Epigonen...Eine Technik zu übernehmen heißt eben nicht, eine eigene künstlerische Sprache zu kreieren. Dies hat Rizzi von Beginn seiner künstlerischen Laufbahn getan. Immer mehr, immer intensiver, immer besser, immer rizziger.. Heute sehen wir in den aktuellen Blättern und Leinwänden das Oevre eines reifen Künstlers, der immer wieder aus einem vollen Fundus eigener Phantasiewelten schöpft.
 
Diese lange Zeit der Zusammenarbeit zwischen Artist und Galerie mit vielen Ausstellungen, auch in Museen, ist ein Weg seines großen künstlerischen Erfolges: vom offiziellen Gestalter des Olympiaplakates, über die Gestaltung und Taufe eines Flugzeuges, bis hin zum ersten lebenden Künstler, der Briefmarken für die deutsche Post gestalten durfte.
 
Dabei ist er immer Mensch geblieben, bodenständig, bescheiden und ruhig, immer für seine Fans da. In seiner Rolle als Künstler, die völlig mit der der Person James Rizzi verwoben ist Da ist er weniger Amerikaner, als vielmehr Botschafter...James Rizzi zu kennen - und da beginne ich von ganz vorne - ist, wie seine Bilder zu sehen oder ein fröhliches Lied zu pfeiffen, eine gute Nachricht zu erfahren, sich zu verlieben.
 
Der Begriff Liebe ist hier ein Schlüsselwort, nicht nur als Thema in seinem Werk, denn viele der Rizzifreunde treibt mehr als eine Sammelleidenschaft. Es ist das Lächeln, das Glück, die positive Aussage, die mitschwingt, lässt man sich auf die Welt Rizzis ein, taucht man ein in das Meer von Farben, das endlos scheint. Die Farben brillieren, machen glücklich. Liebe zur Kunst, zu Rizzi selbst.
 
Fazit: Eigentlich sollte es Rizzibilder auf Rezept geben, denn nichts heilt mehr als die Kraft des Positiven. Ferner: Die Umwandlung der Abwrackprämie zugunsten einer Abhängprämie einer Altlast gegen den Austausch eines Werkes von James hätte ebenfalls mein klares Ja.
 

Rizzis Sicht des Großstadtlebens ist entschieden optimistisch und zeugt zugleich von seinem grenzenlosen Sinn für Humor. Seine Bilder zeigen vertraute Gebäude, Parks und Orte, die in einem naiven, comicartigen Stil gezeichnet sind und von fröhlichen, unbeschwerten Gestalten überquellen.

Er nennt sich selbst ein „Kind des Comiczeitalters“ und bezeichnet Klee, Dubuffet, Haring, Warhol und Bugs Bunny als seine Idole. In all diesen raffinierten, fröhlichen und komischen arbeiten spiegeln sich der ungeheure Enthusiasmus und die unbändige Lebensfreude des Künstlers. Es ist unmöglich bei ihrem Anblick nicht lächeln zu müssen.

James Rizzi meint: "Genauso einfach, wie wir im Nightlife von New York sind, kommen wir mit dem Fahrrad zum Mond von Wanne Eickel oder mit dem Zug ins Dolce Vita von Palermo . . .

Genauso einfach komme ich mit einem Mouseclick zum Opernball nach Sydney, zu den Pyramiden von Gizeh oder zu den Yetis in den Himalaya . . .

Global Village - die ganze Welt passt in meinen Kopf, in meine Phantasie - und somit auf ein Bild von mir."

Wir hatten James Rizzi mehrere Male hier, zur Eröffnung verschiedener Ausstellungen. Die erfolgreichste unter Ihnen war die im Mathematikum mit über 17.000 Besuchern in vier Wochen.

 
Michael Marius Marks
 

 

Serigrafie (Siebdruck):

Ein feinmaschiges Textilnetz wird fototechnisch oder mit geschnittenen Schablonen so abgedeckt, daß die zu druckenden Flächen freibleiben. Dann wird mit Hilfe eines Rakels die Druckfarbe durch die offenen Stellen des Netzes auf das Papier aufgedruckt.

Spirale 2010 von Günther Uecker:

 

Im Jahr des 8o. Geburtstag des international renommierten Zero Künstlers Günther Uecker ist eine Prägegrafik erschienen, die in ihrer Art und im Ausmaß einmalig ist. Als Titel trägt die Arbeit "Spirale 2010"
Zwar beschäftigt sich der am 13.3.1930 geborene Uecker bereits zuvor bereits häufiger mit dem Thema Spirale. Der Verlauf des Nagelreliefs in Kombination mit den größten Maßen , die Uecker je in einem grafischen Werk umsetzte, machen diese Arbeit aber zu einem einmaligen künstlerischen Ereignis.
Die Spirale, die häufig auch in der Geometrie mit der Schraube verwechselt wird (diese aber im Gegensatz zur Spirale zwingend ein räumliches Gebilde ist) interessiert Uecker nicht zuletzt in der Tradition des Zen, dem der Künstler nahesteht.
Dabei handelt es sich um eine japanischen Strömung des Buddhismus. Ausgehend von der Theorie, dass man anderen nur dann helfen kann, wenn man sich selber befreit hat, trägt Zen auch einen wesentlichen Anteil in der Konzentration in die Mitte, oftmals mit Hilfe der Meditation.
Die Spirale, in ihrer gleichmäßigen, ruhigen Kraft, die sowohl nach innen, wie aussen leitet, trägt in diesem Sinn eine starke Symbolkraft, die Uecker fasziniert und gleichermaßen aufgreift. Sowohl in der Kunstgeschichte (siehe das Land Art Kunstwerk von Robert Smithson "spiral jetty", das 1970 in der Wüste von Utah entstand, als auch in der Natur (Schnecke) sind Spiralen bekannte Erscheinungsformen.
Auch in der Umsetzung ist die "Spirale 2010", sowohl im Sinne von Zen, als auch unter künstlerischen Gesichtspunkten nur mehr als gelungen.
In der gleichmässigen Umrandung der Spirale vom dicken Bütten, als auch der konsequenten
Nutzung des quadratischen Formates, sind alle formalästhetischen Gesichtspunkte erreicht. Das dicke, fast starre, schwere Papier ist durch die Qualität in Kombination mit der Feuchtigkeit beim Prägevorgang extrem gewellt. Ein Phänomen, welches der Fachmann mit "das Blatt tanzt" bezeichnet.
Die großen, voluminösen zum Teil in der Länge variierenden Nägel tragen in ihrer Präsenz zur immensen Ausstrahlung der Arbeit bei.
Mit welcher Wucht, Kraft und dennoch unglaublichen Präzision der 80 jährige Künstler das Metall ins Holz getrieben haben muß, um es dann umzuschlagen, um die Druckvorlage für die Blindprägung erstellen zu können, die dann den seriellen Abzug von neunzig gleichen Prints möglich macht, ist sich in der Phatasie des Vorstellenden kaum auszumalen.  Kein Wunder also, daß die 90 Exemplare beim Verleger vor Erscheinen der Grafik bereits vergriffen waren.
Michael Marius Marks
 

Terragraph:

Eine Siebdruckanstalt in Israel hat eine neue Drucktechnik entwickelt: Die Terragraph-Technik. Terragraph ist ein Druckprozeß, der fortschrittliche Bindemittel und die Basis aller Pigmente, den Sand, miteinander verbindet. Der Sand für den Terragraph-Druck wird nur an speziellen Stellen gewonnen, je nach Beschaffenheit und Farbe, die gerade benötigt werden. Der Sand wird neutralisiert und getrocknet und ist somit bereits gebrauchsfertig. Im ersten Schritt wird das Papier mit Silikonlack versiegelt, um die Sand- und Ölschichten deutlich von der Blattoberfläche hervorzuheben. Der Sand wird zu verschiedenen Körnergrößen vermahlen, je nachdem, welcher Effekt erzielt werden soll. Aufgrund des Siegellacks und der Haltbarkeit der Ölfarben und der Sandstruktur, können Terragraphen gerahmt werden oder auf Leinwand und Holz aufgespannt werden, ohne Glas oder Plexiglas.

Udo-Lindenberg-Briefmarken:

 LINDENBERG BRIEFMARKEN AM 1.7.2010 ERSCHIENEN

Es gleicht fast schon einer Sensation: Die Deutsche Bundespost präsentiert zwei neue Briefmarken von Udo Lindenberg. Damit setzt man eine Hommage an einen großen Künstler, der sowohl in der Musik, wie in der Malerei Meilensteine gesetzt hat. Ferner ist dies nach den vier 55ct Briefmarkenmotiven  von James Rizzi der zweite Künstler aus dem Portfolio der Galerie am Dom, dem diese Ehre zuteil wurde, nun Millionen kleiner Kunstwerke durch die Lande zu verschicken.

Lindenberg, der ein riesiges comeback mit der CD "Stark wie zwei" hatte, tourte vor zwei Jahren durch ausverkaufte Konzerthallen, war in aller Munde. Dieses Jahr das Projekt "Rockliner", Udo fuhr auf einem großen Schiff, gab Konzerte und bot seine wunderbaren Likörelle feil. Die zwei Touren, die eine mit Nina Hagen, die andere mit Adel Tawil von " Ich & Ich " waren in Nullkommanix ausverkauft.

Aber was ist ein Likörell, werden Sie fragen. Udo liebt das doppeldeutige, das Spiel mit dem Wort,der deutschen Sprache. Das brachte ihm dieses Jahr -absolut verdient- den Grimme Preis ein . Wohl so. Das Wort Likörell also , ist ein Wortspiel aus Likör und Aquarell und lässt uns schnell darauf kommen, dass Udo das Aqua wegliess und stattdessen den Likör ins Spiel brachte. Ein bekannter Amsterdamer Likörhersteller, der mit "B" anfängt und mit "ols" aufhört,  freute sich darüber, dass Udo die Leckereien nicht nur mundeten, sondern auch Einzug auf Aquarellpapier und Leinwand hielten.

Glatt wurde auch ein Buch gesponsert: Das Lindenwerk.

Ausstellungen, auch an prominenten Orten, wie dem Haus der Geschichte, aber auch in Galerien, wie unserem Haus in Frankfurt folgten und präsentierten Udo Lindenberg als Maler, der das, was er in seinen Songs zum besten gibt auch illustratorisch auf Leinwand bannt. Typisch für diese Likörelle, die inzwischen auch von Acryl Unterstützung finden, um mehr Farbkraft zu erreichen, ist, daß der Künstler selber immer wieder die Bildwelt bevölkert. Ganz typisch mit Adjutantenjacke, Panikhut & Sonnnebrille. Meist mit unförmiger (sic!) Zigarette und mit einem Glas Likör, bester Provenienz anstossend. Cheers. Diese Bilder sind nicht nur autobiografisch. Sie sind brilliant, voller Lebensfreude. Ein Lindenstück. Original aus der Hand des Meisters.
Die zwei neuen Briefmarken sind Zitate seiner größten Erfolge: Für nur 45 ct. bekommen wir wirklich die Andrea Doria, das Schiff, heute sein Rockliner mit Udo an Bord, der uns zuprostet. Der Sonderzug nach Pankow mit Udo als Lockführer, als 55ct Version. Bunt, fröhlich und typisch für die Malerei des Künstlers. Dazu verwöhnt uns die Post noch mit zwei unterschiedlichen Postpaketen im Dekor a la Lindenberg. Man sieht, es ist die große Zeit des Panikrockers, dem soviele Ehre zuteil wird. Und mit dem Projekt Deutsche Bundespost ist kein Ende in Sicht: Es ist ein Musical in Planung. Thema: Udo Lindenberg. Was sonst? Don''''t panic. Oder wie er wortspielerisch zum Autor zu sagen pflegt:

Marks, keep cool, wir lassen die Engels fliegen…

Michael Marius Marks

 

Arbeiten von Udo Lindenberg finden Sie unter:
 www.galerie-am-dom.de

 

Uecker, Günther:

 Günter Uecker (*1930) wurde vor allem mit seinen reliefartigen Nagelbildern, die durch die Ausrichtung der Nägel und die Licht-Schatten Wechselwirkung ihre eigene Dynamik erhalten bekannt. Er war Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO und 1970 der deutsche Vertreter auf der Biennale von Venedig, 1999 gestaltete er den Andachtsraum im neuen Reichstagsgebäude in Berlin.

Die Ausstellung in der Galerie am Dom Frankfurt , die im Oktober 2009 gezeigt wurde präsentiert insbesondere die Prägegrafiken mit ihren spannungsreichen Nagel-Formationen dieses Künstlers von internationalem Rang.

 

Günther Uecker - Biographie

„Mein Körper spielt für die Proportionen meiner Arbeiten eine große Rolle. Die Bewegung meiner Füße, die Beugung des Leibes und die Bögen der ausgreifenden Arme, in Farbe getaucht, sind choreografische Zeichen, die ein Bild füllen. Die Erreichbarkeit der Feld-grenzen ist der Handlungsspielraum...

Die Abstände der Nägel ergeben sich durch die Dicke meiner Finger, die Bewegungs-möglichkeiten der Hände bilden Richtungen und Strömungsverläufe.“

1930 geboren in Wendorf/Mecklenburg

1949–53 Studium der Malerei in Wismar, an der Kunstakademie Berlin-Weißensee und der Kunstakademie Düsseldorf u.a. bei Otto Pankok

1957 Die ersten monochromen weißen Nagelbilder entstehen

1958 Uecker wird freischaffender Künstler; Bildung der Künstlergruppe ZERO zusammen mit Heinz Mack und Otto Piene

1958–59 Realisation von Lichtmedien und Erforschung von optischen Phänomenen

Ab 1960 erste Einzelausstellungen.

1964 Teilnahme documenta III/Kassel

1966 Atelier in New York; Auflösung der Gruppe ZERO

1968 Teilnahme documenta IV/Kassel; „Erstürmung“ der Kunsthalle Baden-Baden zusammen mit Gerhard Richter

1970 Uecker ist mit drei weiteren Künstlern im Deutschen Pavillon bei der 35. Biennale von Venedig vertreten.

1974 Einzelausstellung "Schwarzraum-Weißraum" im Museum Folkwang/Essen; Beginn der Lehrtätigkeit (Professur) an der Düsseldorfer Kunstakademie

1977 Teilnahme documenta VI/Kassel; großes Wandrelief für UNO-Gebäude in Genf

1979 Gestaltung Bühnenbild für die Wagner-Oper „Lohengrin“/Bayreuth; weitere zahlreiche Bühnenbilder für Bayreuth, Stuttgart und Berlin

1982 Treffen mit dem Dalai-Lama.

1983 Kunstpreis: Kaiserring der Stadt Goslar  

1985 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse

1986 „Aschebilder“ entstehen als Reaktion auf die Katastrophe von Tschernobyl

1988 Als erster Künstler der BRD kann Uecker in Moskau ausstellen. Mit 800 Werken ist dies die größte Retrospektive, die einem deutschen Künstler in Moskau je ermöglicht wurde.

1992 Retrospektiven im Museum des 20. Jahrhunderts/Wien

1993 Retrospektive in der Hypo-Kunsthalle/München

1995 Ende der Lehrtätigkeit an der Düsseldorfer Kunstakademie; Ausstellung im Kitakanto Museum Gunma/Japan

1996-98 Ausstellung "Der geschundene Mensch" in Rio de Janeiro, Santiago de Chile, Mexico City, Guadalajara, Athen, Thessaloniki und Sarajewo

1998/99 Gestaltung des Andachtsraumes im Reichstagsgebäude Berlin

1999 Gestaltung eines Steinmals für das ehemalige KZ Buchenwald

2000 Aufnahme in den französischen Orden "L'''''''''''''''''''''''''''''''' Ordre pour le Mérite"

2005 Drei große Ausstellungen in Berlin anlässlich seines 75. Geburtstages, u.a. im Martin-Gropius-Bau.

2006 BZ-Kulturpreis: Berliner Bär

 

Unikat:

Der Begriff Unikat stammt aus dem lateinischen. Das Wort "unus" bedeutet einer, bzw. ein einziger.

Daraus ist schlußzufolgern, daß es sich bei dem Unikat immer um ein Einzelstück handelt und und dessen Einmalig- und Einzigartigkeit.

Bei manchen Künstlern hat sich die (meiner Meinung nach) seltsame Sitte eingebürgert Kleinstauflagen bis 7 Reproduktionen dessen als Unikate zu bezeichnen, was aber vom Ursprung des Wortes und dessen Bedeutung widersinnig ist.

Auch wird das Wort Original oft mit dem des Unikates fälschlich eingesetzt. Zwar ist jedes Unikat ein Original, aber nicht umgekehrt.

Unikate gibt es in unserer Galerie von: Horst Antes, Elvira Bach, Clemens Briels, Bruno Bruni, Corneille,Jörg Döring, Kati Elm, Kristina Fiand, Klaus Fußmann, David Gerstein, Günter Grass, Ottmar Hörl, Janosch, Willi Kissmer, Volker Kühn, Kunstkaufhaus Ost, Markus Lüpertz, Andreas Lutherer, Heinz Mack, Armin Mueller-Stahl, Dieter Mulch, Erik Offermann, A.R. Penck, James Rizzi, Niki de Saint Phalle, Aleksey Stenin, Günther Uecker, Victor Vasarely, Jutta Votteler, Peter Wever, Paul Wunderlich, Wolfgang Zelmer

Siehe auch: Original

mmm

Vernissage:

Feierliche Eröffnung einer Ausstellung meist mit Rede und Sekt.

Treffpunkt zum Startpunkt einer meist vierwöchigen Ausstellungszeit.

Gelegenheit mit dem in der Regel anwesenden Künstler ins Gespräch zu kommen, oft aber auch eingesellschaftliches Ereignis.

Im Gegenteil dazu: Finissage, die das Ende einer Ausstellung, oftmals mit abschliessenden Worten und einem Zusammentreffen in den Ausstellungsräumen beendet.

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Wachsbilder:

Siehe: Marlis Albrecht

Wever, Peter:


    Nur derjenige kann ein Künstler sein, welcher eine eigene Religion, eine originelle Ansicht des Unendlichen hat.

Friedrich von Schlegel


 

Über die Arbeiten von Peter Wever


  Der Mensch. Das Thema des Malers und Grafikers Peter Wever. Gibt es eine Motivik aus der ein Künstler mehr schöpfen könnte als aus dieser? Und dennoch begegnet uns in der Kunstgeschichte keine ähnliche Annäherungsweise an das Menschsein wie die von Peter Wever.

Gerade die Sensibilität, wie sich der Künstler dem Miteinander zweier Individuen nähert, fasziniert: Als stiller Beobachter bleibt er stets im Hintergrund, fokussiert das Wesentliche, beschränkt sich auf eine Geste, einen Blick. Im Augenblick größt-möglicher Intensität stellt er dar - wie ein Fotograf lauert er auf den wesentlichen Moment und bannt ihn.

Wie viel Liebe muss ein Künstler für die Menschen haben, wenn ihn gerade die Sekunde geistiger Harmonie und Intimität so fasziniert und fesselt ?


Auch anderem, allzu menschlichem widmet der Künstler seine Aufmerksamkeit: Enttäuschung, Isolation und Vereinsamung werden in umgekehrter Weise zu Symbolen für das, was eigentlich sein sollte.

Dazu ist ihm jedes Mittel recht, so ist z.B. in der Grafik „Pausenlos steht das Telefon still“ die zweite Person des Geschehens nur imaginär in Form des leblosen Telefons präsent. Einer Frühstücksszene zweier sich abgewandter Zeitungsleser gibt er den bissigen Titel „Kommunikation“...


Auch in der künstlerischen Form seiner Darstellung folgt Peter Wever seinen eigenen Gesetzen: Die Protagonisten sind in Typus, Physiognomie und Geschlecht in der Regel undefinierbar ebenso die Räume, in denen sie sich bewegen.

Er setzt das Geschehen immer außerhalb eines goldenen Schnittes. Wie ein Architekt komponiert der 1950 geborene Künstler die einzelnen Bauteile seiner Darstellung in die ein oder andere Bildseite, öffnet den Bildraum durch das Anschneiden der Figuren und lässt Dynamik aufkommen, wenn gestisch abstrakter Pinselduktus Farbe auf der Leinwand herunterlaufen lässt, wo der Betrachter einen Gegenstand vermutet hätte. Selbst den druckgrafischen Werken fügt er oftmals von Malerhand noch Farben hinzu, wodurch Tiefe, Gestik und Individualität in den einzelnen Blättern entsteht.

Immer wieder hinschauen möchte man auf diese Bilder, weil sie sich in ihrer Art und Darstellung nicht erschöpfen und damit unendlich werden.

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Wunderlich, Paul:

 

Poesie und Präzision” – dies war der Titel der Ausstellung im Wetzlarer Stadthaus, die die Galerie am Dom im Dezember 2008 ausgerichtet hatte.Treffender könnte man Paul Wunderlichs künstlerisches Oeuvre nicht zusammenfassen. Damit ehren Stadt und Galeriediesen wichtigen Vertreter des Fantastischen Realismus’, der 2008 80 Jahre alt geworden ist.
 

Ein Skandal machte Paul Wunderlich im Alter von 33 Jahren mit einem Schlag berühmt: Ein zu erotisch geratener Bilder-Zyklus wurde von der Hamburger Staatsanwaltschaft beschlagnahmt. Dies erregte auch in den USA Aufsehen, mit der Folge, dass das Museum of Modern Art I New York nicht nur den umstrittenen Zyklus ankaufte, sondern auch die Folge “20. Juli 1944”, in der am Galgen hängende verstümmelte Körper an die Hitler-Attentäter erinnern.

Eros und Tod sind in Paul Wunderlichs Werk immer wiederkehrende, oft einander bedingende Themen, die er in einer Vielzahl von Lithografien umgesetzt hat.

In den 60er Jahren lässt sich Paul Wunderlich von verschiedenen Kunstrichtungen, vor allem dem Art Deco und dem Jugendstil, inspirieren. Er experimentiert mit unterschiedlichen Techniken, malt Gemälde mit Schablone und Spritzpistole, perfektioniert seinen Umgang mit der Gouache-Technik und beginnt plastisch zu arbeiten.

In den 70er Jahren setzt sich Paul Wunderlich dann umfassend mit dem Werk von Dürer, Ingres und Manet auseinander. So entsteht u. a. eine Serie “Dürer – Paraphrasen”, in der er Dürer-Motive surrealistisch verfremdet.

In den 80er Jahren konzentriert er sich auf die Skulptur.

Zu seinem 80. Geburtstag erfuhr Paul Wunderlich eine besondere Ehre: Seine Geburtsstadt Eberswalde baute für 30 Millionen Euro ein neues Verwaltungszentrum, das “Paul-Wunderlich-Haus”, in dem sich eine ständige Ausstellung mit seinen Werken befindet.

Paul Wunderlich ist seit 2002 Künstler der Galerie am Dom


 

 

 

- Marlis Albrecht

- Horst Antes

- Elvira Bach

- Christoph Bouet

- Bruno Bruni

- Christo & Jeanne-Claude

- Corneille

- Jörg Döring

- Kati Elm

- Kristina Fiand

- Klaus Fußmann

- David Gerstein

- Moritz Götze

- Günter Grass

- Ottmar Hörl

- Friedensreich Hundertwasser

- Janosch

- Horst Janssen

- Willi Kissmer

- Volker Kühn

- Kunstkaufhaus Ost

- Udo Lindenberg

- Markus Lüpertz

- Andreas Lutherer

- Heinz Mack

- Armin Mueller-Stahl

- Erik Offermann

- A.R. Penck

- James Rizzi

- Niki de Saint Phalle

- Salustiano

- Helge Schneider

- Aleksey Stenin

- Roman Strobl

- Günther Uecker

- Jutta Votteler

- WAUL (Wolfgang Aulbach)

- Peter Wever

- Gert Wiedmaier

- Paul Wunderlich

- Wolfgang Zelmer

- weitere Künstler ...

 

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