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MALEREI ZUR ERSCHEINUNG DER DINGE

Die Frage, was Malerei ist und was sie zu bewirken vermag, beschäftigt den Künstler Till Warwas (geb. 1962 in Bremen) seit jeher.

Intensiv widmete er sich dieser während seines Studiums der Freien Malerei an der Hochschule der Künste in Berlin bei Klaus Fußmann, das er von 1984 bis 1990 absolvierte.

In dieser Zeit entstehen zunächst sehr freie, malerische, teils gestische Arbeiten, die jedoch stets der Gegenständlichkeit verpflichtet bleiben. Motivisch dominieren Akte und Interieurs. Später konzentriert sich der Künstler verstärkt auf Landschaftsmalerei und Stillleben. Auch hier arbeitet er – wie sein Lehrer Fußmann – häufig unter freiem Himmel im Sinne der Pleinair-Malerei und hält Wiesen, Meere und Wälder unmittelbar vor Ort fest.

Ein besonderer Fokus liegt dabei auf der norddeutschen Landschaft – nicht zuletzt, da Warwas in Bremen lebt und der Künstlergruppe der Norddeutschen Realisten angehört. Er ist stets Suchender und Beobachter zugleich, insbesondere dort, wo schwere Wolkenformationen den Himmel prägen. Im Zentrum seines Interesses steht die Beziehung zwischen Bild und Abbild: das Bestreben, das Gesehene in seiner spezifischen Stimmung und Haltung in einen Moment zeitloser Präsenz zu überführen.

Losgelöst sowohl vom Vorbild seines Vaters, der ebenfalls Maler war, als auch von künstlerischen Bezugspunkten wie Pablo Picasso oder Vincent van Gogh, untersucht Warwas die Wechselwirkung zwischen Objekt und Wirklichkeit. Licht, Reflexionen, charakteristische Oberflächen und Spiegelungen werden zu zentralen Themen, die bei der Bewegung des Blicks über die Bildfläche Neugier erzeugen.

Oft hat man den Eindruck, er nähere sich seinen Motiven mit einer beinahe wissenschaftlichen Haltung: Seine Bilder sind ästhetisch durchdacht, klug und analytisch – unabhängig davon, ob sie Gärten, Blumen, Landschaften oder Meere zeigen. Menschen treten vergleichsweise selten in Erscheinung.

Was allen Werken gemein ist, ist der geschärfte Blick, der den Betrachter unweigerlich fragen lässt, worin die größte Herausforderung des jeweiligen Motivs gelegen haben mag. Dabei scheut Warwas keine Komplexität: Immer wieder steigert er die Anforderungen der Darstellung – etwa durch sorgfältig arrangierte Tischdecken mit fein differenzierten Faltenwürfen, durch zerknüllte Papiertüten mit vielschichtigen Licht-Schatten-Strukturen oder durch Blumen und Früchte, die sich in glatten Oberflächen spiegeln.

All dies erzählt weniger vom Gegenstand selbst als von seiner Erscheinung im Licht und seiner Reaktion auf die Welt. Es ist anzunehmen, dass sich Warwas intensiv mit den Stillleben der Alten Niederländer sowie mit Paul Cézanne oder Giorgio Morandi auseinandergesetzt hat. Insbesondere die spiegelnden Reflexionen von Gefäßen können Erinnerungen an Pieter Claesz hervorrufen. Gleichwohl bleibt seine Malweise eigenständig und unverwechselbar.

Gerade weil sich Warwas so nah an der sichtbaren Realität bewegt und ihr malerisch erstaunlich nahekommt, stellt sich unweigerlich die Frage, weshalb er nicht zur Fotografie greift. Doch beim Betrachten der subtilen Farbübergänge, der stofflichen Qualität des Farbauftrags und der fein austarierten Kompositionen erweist sich diese Frage rasch als obsolet.

In der Gegenüberstellung mit seinem Lehrer Klaus Fußmann wird deutlich, wie unterschiedlich sich malerische Positionen entwickeln können. Zwar zeigen sich Parallelen in der Motivwahl – Landschaften, Blumen und Stillleben –, doch während Fußmann den Weg in Richtung Abstraktion einschlägt, verfolgt Warwas eine entgegengesetzte Strategie: die präzise Beobachtung und Verdichtung des Details.

Er ist bestrebt, den Zauber des Objekts einzufangen, ohne ihn vollständig preiszugeben. So bewahren die Dinge in seinen Bildern stets ein Moment des Geheimnisses – fast, als dienten sie lediglich als Anlass für das Gemälde selbst. Die Beziehung zwischen Maler und Motiv bleibt dabei bewusst ambivalent.

In der Virtuosität der malerischen Umsetzung und der Präzision der Übersetzung von Wirklichkeit in Bild entfalten die Werke des Bremer Malers eine außerordentliche Spannung – und erfüllen auf eindrückliche Weise die ästhetische Erwartung des Betrachters.

Michael M. Marks

 

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