Johannes Hüppi
WEIL SIE SCHÖN SIND – über die Gemälde von Johannes Hüppi
Die Arbeit von Johannes Hüppi entzieht sich
einer eindeutigen kunsthistorischen Verortung oder -schubladung.
Nach klassischer Manier und ebensolcher Meisterhaftigkeit entstehen in der
Regel kleine Tafelbilder, die zum genauen Hinsehen zwingen – und uns dann in
ihrer Zeitaktualität und ihren narrativen Inhalten fesseln.
In stiller Intimität begegnen uns dort seine
Protagonisten: Akte und anderes nur allzu Menschliches, Tiere und Momente,
eingebettet in wundervolle Landschaften oder undefinierbare Raumsituationen,
diese immer durchtränkt von Stille.
Es ist Festgehaltenes, das vom Leben fabuliert wurde – angefüllt mit Emotionen,
Erotik, Tragik, Glückssekunden und Melancholie. Das Geschehen ist nie
eindeutig, immer höchst hüppisubjektiv. Ich, der neugierige Betrachter, bin
außen vor und für den Schaffenden beim Tun unrelevant. Das hat der Maler, der
aus einer Künstlerfamilie stammt, früh von seinen Eltern gelernt. Es sei denn,
er sitzt wieder einmal an einer seiner Auftragsarbeiten – dann wird der Mäzen
zum relevanten Betrachter, begrenzt auf die zuvor geäußerten Wünsche und
Eckdaten.
Ich weiß viel über Malerei, Hüppi weiß alles:
Pinselführung, Symbolik, die Injektion der Farbe mit Emotionalität und
Lichtschatten. Und vor allem der Griff in die Trickkiste der Kunstgeschichte.
Manchmal fällt er damit direkt mit der Tür ins Haus: Bei den Museumsbildern
etwa kopiert er nicht langweilig, Beltracchi-like das Original, sondern
studiert das Tun der verehrten Kollegenkoryphäe, verkleinert das Werk und
komponiert es geschickt mit seinem Bildkosmos, dem grazile Frauenfiguren
innewohnen. Oder halt – sind die Akte vielleicht der musealen Szenerie selbst
entsprungen?
Ihrer schlanken Figur nach wird es nicht aus dem rubens’schen „Raub der
Sabinerinnen“ sein, vielleicht dann doch eher dem Botticelli im Nebensaal.
Ja, oft sind es Akte, die uns in den Werken
Hüppis begegnen – auch sie haben Tradition in der langen Geschichte der
Malerei.
Warum malt der Künstler sie so oft und scheinbar liebend gern? Vielleicht, um
das Gefühl des verbotenen Voyeurs, das kribbelnde Moment der Erotik, das
völlige Gefühl der Freiheit und des „Bei-sich-Seins“ zu evozieren? Oder
einfach, weil sie schön sind.
Nie sind sie Objekte der Begierde – ferner, versunken, selbstbewusst und
eigenständige, unverletzliche Individuen.
Blicken wir zurück auf Hüppis Kunstgeschichteverliebtsein: Erinnert uns nicht die ein oder andere Komposition und Landschaft manches Mal an ein Sujet von Manet, Thoma oder Wyeth? Voller Wissen und kunsthistorischem Fingerspitzengefühl schafft Hüppi Momente von „seinerzeit und heute“. Diese zeithybriden Bilder liefern Geschichten, Aussagen und Antworten, sind nie eindeutig – reißen dazu immerfort Fragen auf. Die ganze Wahrheit bleibt beim Maler, für mich bleiben Zweifel. Das gefällt mir, ist doch nichts schlimmer als geheimnisgelüftete Bilder.
Im Laufe eines prallerfüllten Künstlerlebens
entstehen neben diesen freien Arbeiten immer wieder Themenblöcke wie die
„Afrikanerinnen“, „Küssende“, „Kellnerinnen“, „Computerbilder“ oder die bereits
zitierten „Museumsbilder“.
Was all diese – neben den zuvor beschriebenen Charakteristika – eint, ist die
Tatsache, dass sich der Künstler nie um einen Zeitgeist schert. Autonom
realisiert er seine malerische Welt. Vielleicht ist das der Grund, warum das
Œuvre des Malers in so vielen musealen Sammlungen eingegangen ist. Oder, wie
einer meiner aus diesem Genre stammenden Lieblingsdirektoren, Jean-Christophe
Ammann, in einem Text eines Hüppi-Katalogs einmal schrieb: „Ich liebe seine
Bilder.“
Mir geht das ähnlich. Das lässt sich sowohl in
diesem Text als auch in meiner privaten Kunstsammlung schlecht verbergen.
Vielleicht auch einfach, weil sie schön sind.
Michael M. Marks
Biografisches
1965 geboren in Baden-Baden
1984–1990 Studium an der Kunstakademie Düsseldorf bei Fritz Schwegler und
Dieter Krieg
1997 Roy-Lichtenstein-Preis, Bonn
2004–2007 Professur an der Hochschule für Bildende Künste, Braunschweig
2006 Professur an der UDLA, Puebla, Mexiko
Ateliers in Düsseldorf, Vancouver, Oregon, San
Francisco, Los Angeles, Miami, New York, Puebla, Rom, Arcidosso, Basel, Soller,
Sam-Cheok
Lebt heute in Baden-Baden.
Werke in Sammlungen (Auszug)
Museum für Moderne Kunst, Frankfurt
Kunsthalle Recklinghausen
Museum Frieder Burda, Baden-Baden
Ludwig Forum, Aachen
Stiftung Museum Kunstpalast, Düsseldorf
Ulmer Museum
Kunstsammlung der Bundesrepublik Deutschland
Sammlung Großhaus, Bonzelerhammer
Sammlung Esther Grether, Basel
Sammlung Hurrle, Durbach
Sammlung Museum Würth
Originale von Johannes Hüppi kaufen
Akt und Tod
UNIKAT - Wandkachel mit Handmalerei aus dem Jahr 2020
entstanden in der berühmten Majolka-Manufaktur, Karlsruhe
rückseitig signiert und datiert
Gerahmt in einer edlen Echt-Platin-Schattenfuge.
Liegender Akt
UNIKAT - Wandkachel mit Handmalerei aus dem Jahr 2020
entstanden in der berühmten Majolka-Manufaktur, Karlsruhe
rückseitig signiert und datiert
Gerahmt in einer edlen Echt-Weißgold-Schattenfuge.
o.T. (3 Frauen im Wasser)
UNIKAT
Öl auf Karton
aus dem Jahr 2019
im Ausstellungsrahmen
Preis auf Anfrage
o.T. (BAD-03-22)
UNIKAT
Öl auf Holz
aus dem Jahr 2022
im Ausstellungsrahmen
Preis auf Anfrage
o.T. (FF-07-19)
UNIKAT
Öl auf Karton
aus dem Jahr 2019
im Ausstellungsrahmen
Preis auf Anfrage