PREIS ANFRAGEN

Mit * gekennzeichnete Felder sind Pflichtfelder.

Künstler blicken ins Paradies

Seit jeher beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit der Natur, die uns Menschen, je nach Blickwinkel über-, bei- oder untergeordnet ist.
Was auch immer, wir sind ewiglich Teil des Urgartens, wenn wir auch vieles unternehmen sieht man explizit auf den Sündenfall um ausgeschlossen zu sein, zu widersprechen, die Regeln zu brechen.So ist dieses besondere Stück Natur und der Umgang, respektive des Rangelns mit ihr, aktueller denn je. Schlussendlich ist der Garten das letzte Stück Rückzugs-, wie Sehnsuchtsort zubetonierter Metropolen: Erholungsraum. Hier erlebt Mensch Regeneration und Zeit auf eine ganz neue, ursprüngliche Weise, in engstem Kontakt mit seinem Ursprung. Ist dieses Stück Natur deshalb so geliebt, weil es sich immer wieder den Bestrebungen es zu zähmen, zu ordnen oder zu beschneiden derart widersetzt?! Eine Art Hassliebe vielleicht.

In den wunderbaren Räumen in Jugendstilarchitektur wird diese Ausstellung in der Stadtgalerie Bad Soden mit Blick in den Kurgarten, am Rande des Taunus im November 2020 zu sehen sein.

Dazu laden wir neunzehn Künstlern aus dem Programm der Galerie, als auch Künstler-Gäste ein, ihren Blick auf den Garten Eden zu lenken.
Dabei sind: Jim Avignon, Elvira Bach, Jesùs Curiá,Luciano Castelli, Moritz Götze, Johannes Hüppi, Hauke Jessen. Frank Kunert, Volker März, Hanna Nitsch, Edvardas Racevicius, Marina Sailer, Salustiano, Dominik Schmitt, Slava Seidel, Silvia Siemes, Miriam Vlaming und Bernd Zimmer

Mal ganz ehrlich: Waren wir jemals weiter vom Paradies entfernt als im Jahr 2020 und gleichzeitig in unseren Bemühungen, unseren Hoffnungen, dass uns schöpferische Natur eben nicht entgleitet, besorgter als je zuvor? Wie kann es sein, dass wir unseren Ursprung, in dem unsere Wurzeln liegen, so zerstören, derart vernachlässigen?
Dem Amazonasbrennen und dem Gletscherschmelzen armzuckend, geradezu gleichgültig zusehen?
Was genau ist das Paradies? Haben wir es gänzlich verloren oder sind noch Fragmente da? Wo stehen wir jetzt,
und wohin führt dieser Weg?
Der Blick in diese Ausstellung kann nur ein Ausschnitt, eine Meinungsumfrage unter Kunstschaffenden sein. Dabei haben wir nicht alle Künstler, die wir lieben und deren Werk wir schätzen, um einen Beitrag gebeten. Aber alle, die an dieser Ausstellung teilnehmen, betrachten wir mit größter Achtung und Wertschätzung. An dieser Stelle ein großer Dank für jedes einzelne „Künstler-Ja“, Eure Beteiligung, Eure Arbeit, Eure Ideen – gerade in diesen unparadiesischen Tagen.
Die Idee für das Thema dieser Ausstellung entstand vor gut zwei Jahren, als mir die Ehre zuteilwurde, Johannes Hüppi kennenzulernen. Schnell hatten wir ein gutes Gefühl füreinander – und ein spannendes Thema, denn Johannes war derjenige, der zu mir sagte: „Eigentlich haben alle meine Werke Ursprung im Paradiesgarten.“ Von da an war ein Samenkorn in meinem Kopf gepflanzt, das keimte und Triebe schlug, und ich ertappte mich plötzlich dabei, verschiedene Künstler auf „paradiesische“ Quellen hin abzuklopfen. Ich bin heute erstaunt und glücklich, wie breit gefächert diese Ausstellung am Ende geworden ist. Aus welchen Ländern die Künstler stammen, welche Ausbildung sie genossen haben, welche künstlerische Ansicht und Richtung sie vertreten: Mit unterschiedlicheren Hintergründen und aus unterschiedlicheren Perspektiven kann man ein Thema kaum beleuchten. Christlich geprägt, war mir der Gottesgarten, der im Alten Testament Adam und Eva zugesprochen war, immer bildlich vor Augen. Dort hatten sie als Gottes Geschöpfe dessen Erlaubnis, jeglicher schamlosen Freiheit nachzukommen – bis auf eben diese eine Ausnahme, die uns heute genauso gut bekannt ist wie den beiden in der Bibelgeschichte. Diese Ausnahme ist so einprägsam wie der Rest der Erzählung, die uns von Verlockung, Sündenfall und Vertreibung aus dem sagenumwobenen Ort erzählt. Dass die Verzweigungen, Darstellungen und Phantasien zum Paradies und was daraus bis zum heutigen Tag geworden ist mannigfaltig sind, versucht diese Ausstellung aufzuzeigen, indem sie wundervolle Vielfalt, Ideenreichtum und Tiefe einnimmt.
Der Fokus meiner Beobachtungen lag auch im Überbegriff „Garten“, der ja ein großes Themengebiet in der gestellten Frage und auch der Kunstgeschichte selbst besetzt. Und plötzlich entdeckte ich Bilder über Bilder. So war bereits in Landschaftsgemälden aus dem 17. Jahrhundert geordnete Natur in Form von Gärten ein Thema, dem teilweise auch Architekturdarstellungen hinzugefügt wurde. In diesen Arbeiten ist oftmals noch der Atem der Wildnis zu spüren.
Stellt sich die Frage, ob „das Wilde“ Teil eines ursprünglichen Paradieses war oder die Maler dieses Landschaftsfragments aus dem Urwald entlehnten. Literarisch ist das Paradies ein sorgenfreier Raum, die Wildnis eher Sinnbild für Gefahr. Doch wie wild war das Paradies in biblischen Tagen? Da wir nicht auf Fotodokumentation dieser Geschichte zurückgreifen können, bleibt dies unserem Glauben und der Phantasie der Künstler überlassen. Was weiterhin Garten von Paradies unterscheidet: auf der einen Seite ungestüme, wuchernde Natur, auf der anderen der Wille, diese durch des Menschen Hand zu zähmen und zu gestalten. Liegt das am Ursprung des Wortes? Garten leitet sich sowohl vom hebräischen Wort „gan“ als auch vom althochdeutschen „Garto“ ab und stammt vom indogermanischen „ghorto-s“. Dies meint so etwas wie Zaun oder Eingehegtes. Auch das aus dem Sumerischen  stammende Wort „Eden“ (hebräisch: Wonne) trägt diesen Wortsinn und beschreibt eine grüne Oase (aus: Nils Ohlsen „Garten Eden“). Heißt das im Umkehrschluss, dass in dem Moment ein Garten entsteht, indem ungezähmte Natur zurückgestutzt wird? Wenn ja, rächt sich dies augenblicklich: In der Sekunde, in der wir Garten ideal zurechtschneiden, widersetzt er sich uns mit neuem Wachstum. Im 19. Jahrhundert vollzog sich eine Kehrtwende im Bewusstsein zum Garten, indem er zum Raum des öffentlichen Lebens umfunktioniert wurde. Herrschaftliche Gärten wurden zu dieser Zeit für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Das schlug sich prompt in der Malerei nieder, denn Künstler wie Bonnard, Liebermann, Corinth oder Monet, die selbst eigene Gärten pflegten, fanden darin immer wieder Motive für ihre Malerei. Letztgenannter Franzose zum Beispiel zeigt in den 1890er-Jahren in Giverny die Natur in Form seiner großartigen Wasserparadiesdarstellungen, was Künstler bis heute fasziniert, wie die Hommagen von K. O. Götz oder dem Berliner Maler Salomé dokumentieren. Künstlerische Naturabbildung gleicht Magie, die versucht, einen Moment zu bannen, der nicht wiederherzustellen ist. Im 20. Jahrhundert, die Städte wachsen ins uferlose, verlor die Gartenkunst in herrschaftlichen Anwesen als Genre an Bedeutung. Der reale Garten selbst nahm aber als Ort der Erholung zwischen Beton und Arbeit an Wichtigkeit zu. Dass dieser uns auch heute noch in all seinen Facetten
fasziniert, legt Zeugnis davon ab, wie wesentlich er für uns ist: Denn das Thema Natur ist zu essentiell, zu dicht dran an uns Menschen. Seltsam, denn im Kleinen, Eigenen gelingt uns die Liebe und Achtung für die Natur, die wir im Ganzen mehr und mehr verlieren. Wie schade. War in vergangenen Epochen der Garten Privileg der Wohlhabenden, gibt es heute rund 15 Millionen Gärten in unserem Land – die in unseren Köpfen und dieser Ausstellung nicht mitgerechnet. Demokratisierung von einem Stückchen Natur sozusagen. Immer gilt Garten als Ort von Frieden und Ruhe – aber auch als Wunder der Natur, die ihre eigenen Gesetze verfolgt. Gärten machen ursprüngliche Existenz erfahrbar, aber repräsentieren ebenso den Wunsch eines positiveren Umganges mit Natur.  Ist dem Garten 2.0 Bedrohung durch Wildheit inzwischen völlig fern und steht er längst nicht mehr als Sinnbild für einen Ort fernab jeglicher Scham, ist ein kleiner Part des Paradieses geblieben: Voll von überbordender Freiheit ist er definitiv noch heute – und ein minimaler Teil von Intimität ist ihm ebenfalls geblieben.
Signifikant bei der Beschäftigung mit dem Garten Eden ist am Ende das Ergebnis, dass die Aufgabenstellung so vieles beinhaltet: Paradies, Natur, Scham, Garten, Sünde, Schönheit, Fragilität, Vertrauen, Nacktheit, Verlockung – und schlussendlich auch eine Loslösung von richtig und falsch. Sollte Hüppi recht behalten und alles ist wirklich aus der Quelle Eden entsprungen? Eine Auswirkung des Sündenfalls beispielsweise ist, dass der Mann das Brot im Schweiße seines Angesichts verdient und die Frau unter großen Schmerzen Kinder gebärt, wie in den Arbeiten von Hannah Nitsch dargestellt. Paradies in Konsequenz. Eine Arbeit von Dominik Schmitt stellt die ursprüngliche Geschichte der Bibel nicht per se in Frage, möchte die Parallelerklärung von Darwin aber auch nicht außer Acht lassen. Ferner werden aktuelle Themen um Klima und Zustand unseres aktuellen Paradieses in dieser Gruppenschau aufgeworfen. Und schlussendlich darf das Paradies auch einfach nur paradiesisch schön sein. Oder ist es ein Appell, an die Reinheit des Ursprungs zurückzukehren? Es sollen an dieser Stelle nicht alle Positionen und Ausstellungsstücke erwähnt sein, denn Neugier war immer Triebfeder, Orte zu entdecken, die noch unberührt sind. Entdeckerlust wünsche ich allen Besuchern: Seien Sie neugierig und finden Sie „Ihren“ Garten Eden. Unterwegs werden sicher Fragen aufkommen, sie werden Antworten finden auf dunkle Ecken stoßen, die unsere Künstler beleuchten. Und manchmal stellen sie Behauptungen auf. Ich freue mich auf neugierige, offene und erstaunte Gespräche, die sicherlich auch kontroverse Züge entwickeln werden in dieser außergewöhnlichen Zusammenwürfelung verschiedener Künstler, die nicht nur Geschichte(n) zeigen, sondern teilweise auch heute schon Kunstgeschichte geschrieben haben.
Michael M. Marks



Fenster schließen
Künstler blicken ins Paradies

Seit jeher beschäftigt sich die Kunstgeschichte mit der Natur, die uns Menschen, je nach Blickwinkel über-, bei- oder untergeordnet ist.
Was auch immer, wir sind ewiglich Teil des Urgartens, wenn wir auch vieles unternehmen sieht man explizit auf den Sündenfall um ausgeschlossen zu sein, zu widersprechen, die Regeln zu brechen.So ist dieses besondere Stück Natur und der Umgang, respektive des Rangelns mit ihr, aktueller denn je. Schlussendlich ist der Garten das letzte Stück Rückzugs-, wie Sehnsuchtsort zubetonierter Metropolen: Erholungsraum. Hier erlebt Mensch Regeneration und Zeit auf eine ganz neue, ursprüngliche Weise, in engstem Kontakt mit seinem Ursprung. Ist dieses Stück Natur deshalb so geliebt, weil es sich immer wieder den Bestrebungen es zu zähmen, zu ordnen oder zu beschneiden derart widersetzt?! Eine Art Hassliebe vielleicht.

In den wunderbaren Räumen in Jugendstilarchitektur wird diese Ausstellung in der Stadtgalerie Bad Soden mit Blick in den Kurgarten, am Rande des Taunus im November 2020 zu sehen sein.

Dazu laden wir neunzehn Künstlern aus dem Programm der Galerie, als auch Künstler-Gäste ein, ihren Blick auf den Garten Eden zu lenken.
Dabei sind: Jim Avignon, Elvira Bach, Jesùs Curiá,Luciano Castelli, Moritz Götze, Johannes Hüppi, Hauke Jessen. Frank Kunert, Volker März, Hanna Nitsch, Edvardas Racevicius, Marina Sailer, Salustiano, Dominik Schmitt, Slava Seidel, Silvia Siemes, Miriam Vlaming und Bernd Zimmer

Mal ganz ehrlich: Waren wir jemals weiter vom Paradies entfernt als im Jahr 2020 und gleichzeitig in unseren Bemühungen, unseren Hoffnungen, dass uns schöpferische Natur eben nicht entgleitet, besorgter als je zuvor? Wie kann es sein, dass wir unseren Ursprung, in dem unsere Wurzeln liegen, so zerstören, derart vernachlässigen?
Dem Amazonasbrennen und dem Gletscherschmelzen armzuckend, geradezu gleichgültig zusehen?
Was genau ist das Paradies? Haben wir es gänzlich verloren oder sind noch Fragmente da? Wo stehen wir jetzt,
und wohin führt dieser Weg?
Der Blick in diese Ausstellung kann nur ein Ausschnitt, eine Meinungsumfrage unter Kunstschaffenden sein. Dabei haben wir nicht alle Künstler, die wir lieben und deren Werk wir schätzen, um einen Beitrag gebeten. Aber alle, die an dieser Ausstellung teilnehmen, betrachten wir mit größter Achtung und Wertschätzung. An dieser Stelle ein großer Dank für jedes einzelne „Künstler-Ja“, Eure Beteiligung, Eure Arbeit, Eure Ideen – gerade in diesen unparadiesischen Tagen.
Die Idee für das Thema dieser Ausstellung entstand vor gut zwei Jahren, als mir die Ehre zuteilwurde, Johannes Hüppi kennenzulernen. Schnell hatten wir ein gutes Gefühl füreinander – und ein spannendes Thema, denn Johannes war derjenige, der zu mir sagte: „Eigentlich haben alle meine Werke Ursprung im Paradiesgarten.“ Von da an war ein Samenkorn in meinem Kopf gepflanzt, das keimte und Triebe schlug, und ich ertappte mich plötzlich dabei, verschiedene Künstler auf „paradiesische“ Quellen hin abzuklopfen. Ich bin heute erstaunt und glücklich, wie breit gefächert diese Ausstellung am Ende geworden ist. Aus welchen Ländern die Künstler stammen, welche Ausbildung sie genossen haben, welche künstlerische Ansicht und Richtung sie vertreten: Mit unterschiedlicheren Hintergründen und aus unterschiedlicheren Perspektiven kann man ein Thema kaum beleuchten. Christlich geprägt, war mir der Gottesgarten, der im Alten Testament Adam und Eva zugesprochen war, immer bildlich vor Augen. Dort hatten sie als Gottes Geschöpfe dessen Erlaubnis, jeglicher schamlosen Freiheit nachzukommen – bis auf eben diese eine Ausnahme, die uns heute genauso gut bekannt ist wie den beiden in der Bibelgeschichte. Diese Ausnahme ist so einprägsam wie der Rest der Erzählung, die uns von Verlockung, Sündenfall und Vertreibung aus dem sagenumwobenen Ort erzählt. Dass die Verzweigungen, Darstellungen und Phantasien zum Paradies und was daraus bis zum heutigen Tag geworden ist mannigfaltig sind, versucht diese Ausstellung aufzuzeigen, indem sie wundervolle Vielfalt, Ideenreichtum und Tiefe einnimmt.
Der Fokus meiner Beobachtungen lag auch im Überbegriff „Garten“, der ja ein großes Themengebiet in der gestellten Frage und auch der Kunstgeschichte selbst besetzt. Und plötzlich entdeckte ich Bilder über Bilder. So war bereits in Landschaftsgemälden aus dem 17. Jahrhundert geordnete Natur in Form von Gärten ein Thema, dem teilweise auch Architekturdarstellungen hinzugefügt wurde. In diesen Arbeiten ist oftmals noch der Atem der Wildnis zu spüren.
Stellt sich die Frage, ob „das Wilde“ Teil eines ursprünglichen Paradieses war oder die Maler dieses Landschaftsfragments aus dem Urwald entlehnten. Literarisch ist das Paradies ein sorgenfreier Raum, die Wildnis eher Sinnbild für Gefahr. Doch wie wild war das Paradies in biblischen Tagen? Da wir nicht auf Fotodokumentation dieser Geschichte zurückgreifen können, bleibt dies unserem Glauben und der Phantasie der Künstler überlassen. Was weiterhin Garten von Paradies unterscheidet: auf der einen Seite ungestüme, wuchernde Natur, auf der anderen der Wille, diese durch des Menschen Hand zu zähmen und zu gestalten. Liegt das am Ursprung des Wortes? Garten leitet sich sowohl vom hebräischen Wort „gan“ als auch vom althochdeutschen „Garto“ ab und stammt vom indogermanischen „ghorto-s“. Dies meint so etwas wie Zaun oder Eingehegtes. Auch das aus dem Sumerischen  stammende Wort „Eden“ (hebräisch: Wonne) trägt diesen Wortsinn und beschreibt eine grüne Oase (aus: Nils Ohlsen „Garten Eden“). Heißt das im Umkehrschluss, dass in dem Moment ein Garten entsteht, indem ungezähmte Natur zurückgestutzt wird? Wenn ja, rächt sich dies augenblicklich: In der Sekunde, in der wir Garten ideal zurechtschneiden, widersetzt er sich uns mit neuem Wachstum. Im 19. Jahrhundert vollzog sich eine Kehrtwende im Bewusstsein zum Garten, indem er zum Raum des öffentlichen Lebens umfunktioniert wurde. Herrschaftliche Gärten wurden zu dieser Zeit für die Allgemeinheit zugänglich gemacht. Das schlug sich prompt in der Malerei nieder, denn Künstler wie Bonnard, Liebermann, Corinth oder Monet, die selbst eigene Gärten pflegten, fanden darin immer wieder Motive für ihre Malerei. Letztgenannter Franzose zum Beispiel zeigt in den 1890er-Jahren in Giverny die Natur in Form seiner großartigen Wasserparadiesdarstellungen, was Künstler bis heute fasziniert, wie die Hommagen von K. O. Götz oder dem Berliner Maler Salomé dokumentieren. Künstlerische Naturabbildung gleicht Magie, die versucht, einen Moment zu bannen, der nicht wiederherzustellen ist. Im 20. Jahrhundert, die Städte wachsen ins uferlose, verlor die Gartenkunst in herrschaftlichen Anwesen als Genre an Bedeutung. Der reale Garten selbst nahm aber als Ort der Erholung zwischen Beton und Arbeit an Wichtigkeit zu. Dass dieser uns auch heute noch in all seinen Facetten
fasziniert, legt Zeugnis davon ab, wie wesentlich er für uns ist: Denn das Thema Natur ist zu essentiell, zu dicht dran an uns Menschen. Seltsam, denn im Kleinen, Eigenen gelingt uns die Liebe und Achtung für die Natur, die wir im Ganzen mehr und mehr verlieren. Wie schade. War in vergangenen Epochen der Garten Privileg der Wohlhabenden, gibt es heute rund 15 Millionen Gärten in unserem Land – die in unseren Köpfen und dieser Ausstellung nicht mitgerechnet. Demokratisierung von einem Stückchen Natur sozusagen. Immer gilt Garten als Ort von Frieden und Ruhe – aber auch als Wunder der Natur, die ihre eigenen Gesetze verfolgt. Gärten machen ursprüngliche Existenz erfahrbar, aber repräsentieren ebenso den Wunsch eines positiveren Umganges mit Natur.  Ist dem Garten 2.0 Bedrohung durch Wildheit inzwischen völlig fern und steht er längst nicht mehr als Sinnbild für einen Ort fernab jeglicher Scham, ist ein kleiner Part des Paradieses geblieben: Voll von überbordender Freiheit ist er definitiv noch heute – und ein minimaler Teil von Intimität ist ihm ebenfalls geblieben.
Signifikant bei der Beschäftigung mit dem Garten Eden ist am Ende das Ergebnis, dass die Aufgabenstellung so vieles beinhaltet: Paradies, Natur, Scham, Garten, Sünde, Schönheit, Fragilität, Vertrauen, Nacktheit, Verlockung – und schlussendlich auch eine Loslösung von richtig und falsch. Sollte Hüppi recht behalten und alles ist wirklich aus der Quelle Eden entsprungen? Eine Auswirkung des Sündenfalls beispielsweise ist, dass der Mann das Brot im Schweiße seines Angesichts verdient und die Frau unter großen Schmerzen Kinder gebärt, wie in den Arbeiten von Hannah Nitsch dargestellt. Paradies in Konsequenz. Eine Arbeit von Dominik Schmitt stellt die ursprüngliche Geschichte der Bibel nicht per se in Frage, möchte die Parallelerklärung von Darwin aber auch nicht außer Acht lassen. Ferner werden aktuelle Themen um Klima und Zustand unseres aktuellen Paradieses in dieser Gruppenschau aufgeworfen. Und schlussendlich darf das Paradies auch einfach nur paradiesisch schön sein. Oder ist es ein Appell, an die Reinheit des Ursprungs zurückzukehren? Es sollen an dieser Stelle nicht alle Positionen und Ausstellungsstücke erwähnt sein, denn Neugier war immer Triebfeder, Orte zu entdecken, die noch unberührt sind. Entdeckerlust wünsche ich allen Besuchern: Seien Sie neugierig und finden Sie „Ihren“ Garten Eden. Unterwegs werden sicher Fragen aufkommen, sie werden Antworten finden auf dunkle Ecken stoßen, die unsere Künstler beleuchten. Und manchmal stellen sie Behauptungen auf. Ich freue mich auf neugierige, offene und erstaunte Gespräche, die sicherlich auch kontroverse Züge entwickeln werden in dieser außergewöhnlichen Zusammenwürfelung verschiedener Künstler, die nicht nur Geschichte(n) zeigen, sondern teilweise auch heute schon Kunstgeschichte geschrieben haben.
Michael M. Marks

Für die Filterung wurden keine Ergebnisse gefunden!
Vielleicht eine Küchendiva

Von Elvira Bach »

Vielleicht eine Küchendiva
Acryl auf Leinwand aus dem Jahr 2021 signiert und datiert gerahmt in einer schwarz/silbernen Schattenfuge
Preis auf Anfrage
Reflexion. Lichtung. Fichten

Von Bernd Zimmer »

Reflexion. Lichtung. Fichten
UNIKAT Acryl auf Leinwand aus dem Jahr 2012
Preis auf Anfrage
Die Anderzeit

Von Miriam Vlaming »

Die Anderzeit
UNIKAT Eitempera auf Leinwand aus dem Jahr 2018 rückseitig signiert
Preis auf Anfrage
Allegorische Stimmung

Von Slava Seidel »

Allegorische Stimmung
VERKAUFT!!! UNIKAT Sepiatusche auf Leinwand aus dem Jahr 2018
Preis auf Anfrage
The Earth

Von Marina Sailer »

The Earth
UNIKAT Mischtechnik auf Leinwand aus dem Jahr 2020 Abbildung Kunstwerk - Copyright: Ivo Faber
Preis auf Anfrage
La Source/Eva #1

Von Hanna Nitsch »

La Source/Eva #1
UNIKAT Tuschezeichnung auf Papier aus dem Jahr 2019 im Ausstellungsrahmen Copyright Abbildung: Hanna Nitsch
Preis auf Anfrage
Adam und Eva

Von Moritz Götze »

Adam und Eva
Wandobjekt Emaille-Malerei betitelt, signiert und datiert 2016
Preis auf Anfrage
Insektenkasten (Januar IV)

Von Matthias Garff »

Insektenkasten (Januar IV)
UNIKAT Objektkasten mit Fundstücken aus dem Jahr 2020
Preis auf Anfrage
Rette dich selbst

Von Elvira Bach »

Rette dich selbst
Acryl auf Leinwand aus dem Jahr 2020 signiert und datiert Copyright Abbildung: Marion Schult Photography
Preis auf Anfrage
Raum mit Aussicht

Von Slava Seidel »

Raum mit Aussicht
UNIKAT Sepiatusche auf Leinwand aus dem Jahr 2008
Preis auf Anfrage
Adam und Edamer

Von Dominik Schmitt »

Adam und Edamer
UNIKAT Mischtechnik auf Leinwand aus dem Jahr 2020
Preis auf Anfrage
ohne Titel - 2020 (ohne Farbe)

Von Edvardas Racevicius »

ohne Titel - 2020 (ohne Farbe)
UNIKAT Holzskulptur aus Linde aus dem Jahr 2020
Preis auf Anfrage
La Source/Eva #3

Von Hanna Nitsch »

La Source/Eva #3
UNIKAT Tuschezeichnung auf Papier aus dem Jahr 2020 im Ausstellungsrahmen Copyright Abbildung: Hanna Nitsch
Preis auf Anfrage
La Source/Eva #2

Von Hanna Nitsch »

La Source/Eva #2
UNIKAT Tuschezeichnung auf Papier aus dem Jahr 2020 im Ausstellungsrahmen Copyright Abbildung: Hanna Nitsch
Preis auf Anfrage
Grüne Insel

Von Frank Kunert »

Grüne Insel
Lamda-Print in kleiner Auflage aus dem Jahr 2010
Preis auf Anfrage
Mauerblümchen

Von Frank Kunert »

Mauerblümchen
Lamda-Print in kleiner Auflage aus dem Jahr 2019
Preis auf Anfrage
Tree

Von Hauke Jessen »

Tree
RESERVIERT! UNIKAT Holzskulptur aus Eschenholz mit Kreidegrund aus dem Jahr 2016 Copyright Abbildung: Hauke Jessen
Preis auf Anfrage
Garten Eden

Von Johannes Hüppi »

Garten Eden
UNIKAT Öl auf Karton aus dem Jahr 2014
Preis auf Anfrage
o.T. (2014)

Von Johannes Hüppi »

o.T. (2014)
UNIKAT Öl auf Karton aus dem Jahr 2014
Preis auf Anfrage
Liebespaar

Von Johannes Hüppi »

Liebespaar
UNIKAT Öl auf Holz aus dem Jahr 2000 gerahmt in einer dunkelbraunen Studioleiste
Preis auf Anfrage
Adan y Eva

Von Jesús Curiá »

Adan y Eva
Limitierte Bronzeskulptur in kleiner Auflage aus dem Jahr 2015
7.900,00 €
Zuletzt angesehen